In dem SonettThränen des Vaterlandes“ von Andreas Gryphius spielen die Themen Tod, Krieg und Pest eine große Rolle.
Er beschreibt den schlechten Zustand der Menschen und ihrer Umgebung während des 30jährigen Krieges, der vor allem durch Grausamkeit, Angst und Elend geprägt war.

Andreas Gryphius selbst, wurde im 30jährigen Krieg geboren und sein Leben wurde durch die Grausamkeit des Krieges geprägt. Sein Sonett „Thränen des Vaterlandes“ handelt von einer Stadt die zerstört und geplündert wurde und von ihren Bewohnern die alles verloren haben. Er möchte zeigen, dass es im Krieg schwer ist, ein guter Mensch zu bleiben und dass die Menschen gezwungen sind sich den Bedingungen anzupassen.

Schon der Titel ist eine Personifizierung des Landes, das weinen kann und somit wohl traurig über den Zustand der Menschen in ihm ist.
Im ersten Quartett beschreibt er, dass die Feinde alles zerstört haben, worin die Bewohner alles investiert haben.
Mit einer Correctio im ersten Vers, hebt er hervor, dass wirklich alles vernichtet worden ist. In den folgenden zwei Versen macht er dem Leser durch viele Adjektive Wörter wie Schaar, Schwert und Carthaun bildhaft deutlich. Um noch einmal deutlich darzustellen, dass die Bürger der Stadt alles verloren haben, drückt er dies durch die Wiederholung von sinnverwandten Worten aus. Vierter Vers des ersten Quartettes: „Hat aller Scheiß und Fleiß und Vorrath auffgezehret.“ Auch der Binnenrein von Schweiß und Fleiß hebt dies noch mal hervor.

Dass das Leben nicht mehr Lebenswert ist drückt Gryphius im zweiten Quartett aus hierfür benutzt er viele Metapher und Parallelismen. Im ersten Vers schreibt er, dass der Schutz der Stadt gefallen ist und dass am Glauben gezweifelt wird. Die alten Herrscher haben ihre Macht verloren und alles versinkt im Chaos. Indem Gryphius schreibt, dass die Jungfrauen geschändet werden, macht er deutlich, dass keine Ordnung mehr herrscht und niemand die Kontrolle über den Lauf der Dinge hat. Die dreigliedrige Steigerung, die Klimax, am Ende des zweiten Quartettes verstärkt die Aussage, dass sich die Stimmung und das Elend auf die Psyche der Menschen übertragen.

Das erste Terzett beginnt mit einer Alliteration. Die „Schanz und Stadt“ wurde von den Gegnern eingenommen und zerstört. Wie im zweiten Vers des ersten Quartettes macht Gryphius mit den „Frechen Völkern“ dem Leser noch mal deutlich, dass die Feinde unbarmherzig waren. Um es dem Leser einfacher zu machen, sich den Zeitraum des Krieges vorzustellen, steht im zweiten Vers „Dreymal sechs Jahr“, was eigentlich ja so viel bedeutet wie 18 Jahre. Hier gibt es einen Wechsel des Metrums, der den langen Zeitraum noch mal besonders betont. Weiter schreibt Gryphius, dass die Ströme voller Leichen sind und sagt damit aus, dass zu viele Menschen ihr Leben gelassen haben.

In dem letzten Terzett schreibt Andreas Gryphius, dass er noch gar nicht vom schlimmsten gesprochen hat, was der Krieg den Menschen bringt. Auch hier gibt es wieder einen Metrum Wechsel beim „Doch“ gleich am Anfang des ersten Verses. Er schreibt, dass es etwas Schlimmeres als den Tod gibt. Auch im letzten Terzett gibt es eine Klimax: „Pest und Glutt und Hungersnoth“. Für Gryphius gibt es also etwas schlimmeres als diese vier Dinge. Er sagt im letzten Vers, dass der Seelen Schatz vielen „abgezwungen“ wird. Dies bedeutet, dass die Menschen im Krieg nicht so bleiben können wir sie waren. Sie verändern sich zum negativen um zu überleben und deshalb kann man im Krieg kein guter Mensch bleiben. Der Seelenschatz ist eine Metapher für das Gute im Menschen, dass auch nach dem Tode bestehen bleibt.

Für die Epoche des Barock ist dieses Gedicht sehr typisch. Es hat die typische Sonettform und die rhetorischen Figuren sowie die epochentypischen Themen entsprechen der Norm.
In barocken Gedichten wird viel über den Tod geschrieben. Das dazu passende Leitmotiv nennt sich „memento mori“, was so viel bedeutet wie „gedenke, dass du sterblich bist. Im Gegensatz dazu wird auch zum Lebensgenuss aufgerufen. Hierzu heißt das Schlagwort „carpe diem“, also „nutze den Tag“. Allerdings wird auch viel an die Vergänglichkeit, an „Vanitas“, gedacht. In den Gedichten dieser Epoche wurden leichte Dinge kunstvoll verpackt um diese besonders hervorzuheben. Eine solche Verpackung nennt man Schwulst.
Aus heutiger Sicht würde ich das Gedicht als aktuell und zutreffend bezeichnen. Die rhetorischen Stilmittel heben die wichtigen Themen des Gedichts besonders hervor und lassen den Leser durch bildliche Darstellung in den Krieg eintauchen. In der heutigen Zeit würde man wohl andere Metapher benutzen. Die Posaun und das Schwert würden wohl durch Bomben und Fliegeralarm ausgetauscht werden. Aber die Hauptaussage, dass man im Krieg ein anderer Mensch wird und nicht „gut“ bleiben kann, trifft für jede Epoche zu und wird auch in Zukunft immer zutreffen.

Gedichtinterpretation „Thränen des Vaterlandes“/ Anno 1636
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