Die Alchemistenszene

Wie wird die Alchemistenszene aus Clara Sicht interpretiert?


Clara interpretiert die Erzählungen sowie Beschreibung Nathanaels als Ergebnis einer Beeinflussung durch seine negative Denkensart, welche sie als „dunkle Macht“ deklariert. (Z. 12+f.)
Dabei gibt sie zu bedenken, dass Nathanael nur von dieser Macht beeinflusst werden könne, da er es selbst zulassen. (Z. 18) Aus seinen ihm eigenen Erfahrungen übertrage er nun alles Schlechte, was er damit verbinde, auf den Wetterglasverkäufer, welcher ihm durch die Außenwelt nur zufällig begegnet sei. (Z. 28+f.) Erst dadurch seinen Nathanaels erneute Qualen möglich geworden. (Z. 34+f.)
Aus diesen Gründen rät sie ihm, sich nicht weiter mit Erinnerung an sein Kindheitserlebnis und ebenso den Wetterglasverkäufer aufzuhalten, da nur die negative Projektion der Vergangenheit der Gegenwart auch wirklich ein feindliches Wesen verleihe. (S.18, Z. 8+9)
Um diesen Rat wirklich umzusetzen, spricht Clara davon, Nathanael solle heiter und fröhlich und unterstützt ihn sofort aktiv, indem sie beteuert, dass sie sich selbst weder vor dem Advokat noch vor dem Sandmann fürchte, und beide aus Nathanaels Träumen vertreiben würde, sollten sie dort auftauchen. (S. 18, Z. 14 bis 21)

Macht Clara Nathanael Vorwürfe?


Zu sagen, Clara mache ihrem Verlobten Nathanael Vorwürfe, würde ihrem Brief nicht gerecht werden. Eher erklärt sie ihm auf vernünftige, aber dennoch mitfühlende Weise, ihre Sicht der Dinge, wodurch sie hofft, ihn zu überzeugen, um Nathanael zu helfen.
Dieses Verhalten entspricht nicht den Normen eines Vorwurfs, sondern eher dem Wunsch, ihrem Verlobten das Leben langfristig zu erleichtern.

In welche Epoche ist Clara einzuordnen?


Clara ist mehr als deutlich eine der Aufklärung nachempfundene Figur, was zunächst schon anhand ihres Namens (Clara -> Klarheit) deutlich wird. Sie versucht stets einen vorurteilsfreien, vernünftigen Blick auf alles zu haben, um sich anhand dessen ein logisches Urteil bilden zu können. Hierzu passt besonders die Textstelle S. 20 Z.34f “einen gar hellen, scharf sichtenden Verstand”. Besonders deutlich wird dies in der Alchemistenszene, in welcher Clara die Lehrform der Mäeutik nutzt, um Nathanael, möglichst nachhaltig davon zu überzeugen, dass er sich nur einbilde, das Schreckgespenst des Sandmanns aus seiner Kindheit erneut in Form Coppalas gesehen zu haben. Somit beweist Clara nicht nur ihren aufklärerischen Verstand, sondern auch die Kunst gefühlvoll auf andere einzugehen, und diese selbst eine bestimmte Kenntnis erlangen zu lassen.
Clara in der Alchemistenszene in “Der Sandmann”
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