Vergleich von „Die schlesischen Weber“ und „Der Spinnerin Lied“

Die beiden zu vergleichenden Gedichte „Die schlesischen Weber“ von Heinrich Heine und „Der Spinnerin Lied“ von Clemens Brentano stammen aus der gleichen Zeit und gehören beide in den Bereich der politischen Lyrik.
In Heines Werk geht es um die damaligen Probleme in der Weberszunft, die im Jahre 1844 sogar zum Aufstand der Weber führten. Mit der Einführung des mechanischen Webstuhls und mit Beginn der Industrialisierung gerieten diese in existentielle Not.
Sie waren von den Fabrikanten und Kaufleuten abhängig, die Löhne wurden immer geringer und die Arbeitslosigkeit nahm stetig zu. Diese Umstände führen schließlich zu einem Aufruhr, bei dem elf Tote zu beklagen waren.
Heinrich Heine versucht die Stimmung zur damaligen Zeit einzufangen und in einem politischen Gedicht wiederzugeben. Daran erkennt man auch, dass es sich bei der literarischen Epoche um den Vormärz handelt. Im Gegensatz dazu, ist Brentanos Gedicht „Der Spinnerin Nachtlied“ ein typisches Gedicht der Romantik, die verwendete Sprache erscheint volksliedhaft.

Die Gliederung des Werkes ist deutlich erkennbar. Es besteht aus 5 Strophen, in der ersten wird von den Webern, die als lyrisches Ich fungieren, ihre aussichtslose Situation beschrieben. Sie lassen ihrer Frustration und Unzufriedenheit freien Lauf, bis hin zur Verfluchung ihres Heimatlandes („Wir weben hinein den dreifachen Fluch“, Strophe 1/ 4.Zeile). Anhand ihrer Wortwahl, bei der sie sich selbst als zähnefletschend beschreiben, lässt sich die unmenschliche Behandlung gut erkennen, da diese Formulierung normalerweise eher in Zusammenhang mit Tieren gebraucht wird.
Der Hauptteil setzt sich aus 3 Strophen zusammen, in denen der anfangs erwähnte Fluch genauer erläutert beziehungsweise definiert wird.

In der ersten richtet sich der gesamte Unmut und die Wut über die herrschenden Zustände an Gott. Die Arbeiter beklagen, dass dieser ihr Leid einfach zugelassen und nichts unternommen hatte. Andererseits scheinen sie ihren Glauben nicht verloren zu haben, da sie nicht an der grundlegenden Existenz eines Gottes zweifeln, die eine Beschäftigung mit der Thematik der Theodizee mit sich bringen kann. Zudem ist eine Parallele zu Goethes „Prometheus“ spürbar: Gott, oder wie in diesem Falle des griechischen Polytheismus die Götter, werden von enttäuschten Gläubigen verhöhnt, verspottet und wegen mangelnder Unterstützung ihrerseits heftig kritisiert.

Der Verfasser Heine nennt sich auch einen „entlaufenen Romantiker“, da er zwar Themen der Romantik in seinen Gedichten behandelt (Liebe, Sehnsucht etc.), aber dennoch nicht mit der vollen Ernsthaftigkeit eines Vollblut-Romantikers, sondern immer ein wenig ironisch – er belächelt die Situation.
Auf diese Weise stellt er oft auch seine politischen Gedichte dar. Er distanziert sich von den radikalen Demokraten, indem er ihren Ziele, die rein politischer Natur sind, die Forderungen nach Lebensfreude und ästhetischer Schönheit der Romantiker entgegenstellt. Wie alle seine politischen Gedichte, übt er auch in „Die schlesischen Weber“ heftige Kritik an den Autoritäten, wie er mit der Zeile: „Der den letzten Groschen von uns erpresst“ auf die zusätzlichen Steuern verweist, die den Webern vom König auferlegt wurden. Dieser ist in der zweiten Strophe des Hauptteils das Zielobjekt der Anfeindungen.
Heine vergleicht die Weber in diesem Zusammenhang wieder mit Tieren („und uns wie Hunde erschießen lässt“, Strophe 3/ 14. Zeile) um zum Ausdruck zu bringen, wie schlecht sie behandelt werden.

Der dritte Fluch gebührt „dem falschen Vaterlande“. An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass Heine Deutschland wegen der strengen Zensur verlassen musste, um seine Werke weiter veröffentlichen zu können. Auffallend ist jedoch der Gebrauch des Begriffes „Vaterland“, der eher positiv behaftet ist.
Es ist ein offensichtlicher Gegensatz und ein Hinweis darauf, dass Deutschland für die Weber, oder besser gesagt für Heine, nicht immer „falsch“ war und es im Normalfall auch nicht ist.
Die nächsten drei Zeilen beginnen jeweils mit einem „Wo“ und bilden somit eine Anapher. Es lässt den Inhalt anklagend klingen – Heine behauptet es gedeiht nur „Schmach und Schande“, auch werde „jede Blume früh geknickt (Strophe 4/ Zeile 17 u. 18).
Die Blume ist ein typisch romantisches Symbol und steht metaphorisch für den Menschen mit all seiner Menschlichkeit und seinen Gefühlen, die in einem Land mit Zensur keinen Platz haben. Unterbrochen wird dieser (An)Klagefluss immer wieder durch die letzte Zeile „Wir weben, wir weben!“, denn sie haben keine andere Wahl, sie können ihrem Schicksal trotz Klagen nicht entrinnen. Außerdem wird durch diese sich wiederholende Formulierung die herrschende Monotonie in ihrem Arbeitsalltag verdeutlicht.

Den Schluss bildet die letzte Strophe, welche die fast – idente Zeile „Altdeutschland, wir weben den dreifachen Fluch“ beinhaltet. In der Einleitung, der ersten Strophe, heißt es noch „Deutschland“ nun „Altdeutschland“.

Am Ende jedoch kommt die unausweichliche Monotonie ihres Leidens und ihrer Arbeit wieder zum Ausdruck mit dem das Gedicht auch endet: „Wir weben, wir weben!“
Die Wut und die Härte der Weber die sie in ihrem Leben und bei der Arbeit erfahren haben steht immer wieder im Gegensatz zu diesem Frust und dem emotionsvollen Leid.

Leid und Trauer ist auch ein Thema in dem Gedicht „Der Spinnerin Nachtlied“ von Clemens Brentano. (…) Doch spielt sich in diesem Gedicht alles auf emotionaler Basis ab und es wird kein politisch brisantes Thema als Ausgang genommen.
Es geht um eine (wahrscheinlich schon ältere) Frau, die an ihrem Spinnrad sitzt und über ihren bereits verstorbenen Geliebten nachdenkt. Ihre Trauer spiegelt sich unter anderem auch im Versmaß. Brentano wählt den Jambus, der in seinem immer gleichen, monotonen, Rhythmus ihre ewige Trauer zum Ausdruck bringt.
Die ständige Monotonie des Leidens sind sowohl wichtige Themen in Heines Gedicht, sowohl auch bei Brentano. Beide versuchen dieses Grundgefühl durch die Form des Gedichtes zum Ausdruck zu bringen.

In der ersten Strophe von „Der Spinnerin Lied“ schwelgt die Frau in Erinnerungen an die Vergangenheit, als alles noch besser war.
Die Epoche der Romantik orientiert sich an allem Schleierhaften, alt hergebrachten, manchmal auch düsteren, traurigen Stimmungen. Das Gefühl steht im Vordergrund. In Heinrich Heines Gedicht ist Trauer, Wut und Verzweiflung zwar auch ein Thema, aber aus einem anderen Grund. Der Anstoß dafür ist die politische Lage und die dadurch entstandene Not für die Weber.
Die Spinnerin in Brentano empfindet nur ihr eigenes Leid – von der Gesellschaft ist keine Rede. In der zweiten Strophe erklärt sie ihre derzeitige Situation. Sie spinnt zu später Stunde Wolle zu Faden, der Mond allein dient ihr als Lichtquelle. Das Motiv des Mondes kommt noch des Öfteren in Brentanos Gedicht vor.

Man kann also dieses „Faden spinnen“ als Metapher für das gesamte Leben der Frau betrachten. Es werden in den darauf folgenden Strophen immer wieder die gleichen Worte verwendet.
Ein weiteres Zeichen für die sich immer wiederholende Leidensgeschichte und der Trauer, die nicht enden will. Sie beklagt den Tod ihres Geliebten mehrmals auf verschieden Art und Weise, während sie zwischen der grausamen Realität des Todes und ihren Wunschvorstellungen schwelgt.
Der Vers: „Seit du von mir gefahren“ (Strophe 5/ 21.Zeile) ist ein Euphemismus, eben eine solche Beschönigung. Das ganze Gedicht lang kann sie sich nicht entscheiden, aber in der letzten Strophe wird endgültig klar, dass sie eher bei ihrer Wunschvorstellung bleibt, als den Tod zu akzeptieren.

Sie entscheidet sich für Traum, Trauer und Sehnsucht, anstatt in die Realität zurückzukehren. Ganz anders, als in Heines Gedicht. Die Weber werden andauernd mit der Realität konfrontiert, diese ist zwar auch mit Leid verbunden, dennoch treten sie aktiv gegen die herrschenden Zustände auf.
Ein hervorstechender Unterschied zwischen „Der Spinnerin Nachtlied“ und „Die schlesischen Weber“ ist auch, dass Brentano in seinem Gedicht mit vielen Sinnes- und Gefühlswahrnehmungen arbeitet. Dass man dies in einem politischen Gedicht höchstwahrscheinlich nicht findet, liegt daran, dass der Zweck auf etwas gänzlich anderes abzielt.

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Vergleich von „Die schlesischen Weber“ und „Der Spinnerin Lied“
Wissen verdoppelt sich, wenn man es teilt.
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