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Argumentationsstruktur des Textes „Herstellung menschenwürdiger Verhältnisse

Karl-Otto Apel diskutiert in seinem Text die Herstellung bzw. Erhaltung menschenwürdiger Verhältnisse. Zunächst behauptet er, dass die Würde des Menschen ohne eine Kritik und deutliche Richtungsänderung der Gesellschaft auf Dauer nicht erhalten werden könne. Weiterhin meint er, müsse diese an einigen Orten zunächst hergestellt werden. Er argumentiert mit dem Beispiel Lateinamerikas. Allein die Verhältnisse und Umstände lassen solch allgemeine Ziele gar nicht zu. Während wir uns in Industriestaaten mit Problemen wie der ökologischen Krise befassen, stehen die Entwicklungsländern vor viel fundamentaleren Problemen, wie Hunger, Obdachlosigkeit und Gewalt. Ebenso stehe es um die Würde des Menschen. Wir machen uns Gedanken darum, wie wir unsere Würde aufrechterhalten, wobei in den armen Ländern überhaupt erst einmal menschenwürdige Verhältnisse hergestellt werden müssten.
Er wehrt sich jedoch gegen den Standpunkt, dass die Welt eher zugrunde gehen solle, als dass die Gerechtigkeit nicht verwirklicht werden könne, da das Überleben der Menschheit allerhöchste Priorität habe. An diesem Punkt müsse man jedoch vorsichtig sein, meint er. Denn theoretisch könne dies durch das Verhungern der Dritten Welt bewerkstelligt werden, was sich sogar mit einem Autoritätsargument durch Friedrich von Hayek (Ökonomie-Nobelpreisträger) belegen ließe. Diese sozialdarwinistische Lösung ließe sich jedoch keineswegs mit moralischen, ethischen Grundsätzen vereinbaren, sodass nicht nur der Fortbestand der Menschheit Ziel sein könne, sondern man dabei auch auf die Gewährung der Grundbedürfnisse und Nachhaltigkeit achten müsse.

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Apel schildert, dass die Intellektuellen in den Industrienationen sich mit Verantwortungsperspektiven wie der ökologischen Krise beschäftigen, während beispielsweise in Entwicklungsländern gar nicht möglich ist. So leidet Lateinamerika unter Hunger und Obdachlosigkeit, während Länder wie bis vor kurzem Liberia noch dazu unter Diktaturen leben oder in Ländern wie Sierra Leone „Freiheitskämpfer“ sich tagtäglich gegenseitig in Massaker verwickeln. Diese Teile der Erde müssten zuerst solche Probleme in den Griff bekommen, bevor sie es sich auch nur leisten könnten, sich Gedanken über ökologische Forderungen machen können. Dieser Konflikt ist eine der größten Hürden auf dem Weg zu globalem menschenwürdigem Leben.

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Zu den „Rechtsansprüchen“ eines jeden Menschen zähle ich zum einen die biologischen Grundbedürfnisse, wie Nahrung, Flüssigkeit und Schlaf. Dazu kommen „menschliche“ Grundbedürfnisse, wie das Bedürfnis nach Freiheit und Individualität – aber auch nach Gemeinschaft und Kontakt zu anderen Menschen. Der dritte Punkt sind gewisse Verhältnisse, die man als das „Existenzminimum“ kennt. Auch das sollte jedem Menschen gewährt sein, um ihm ein einigermaßen menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.
Einige wichtige dieser Ansprüche sind in den Menschenrechten verankert. Diese sind jedoch nur Richtlinien und sind nicht in jeder Verfassung vorhanden. Andere (wie zum Beispiel ein gewissen Grundwohlstand) tauchen auch dort nicht auf.

Apel: „Herstellung menschenwürdiger Verhältnisse“
Wissen verdoppelt sich, wenn man es teilt.
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