Ostia Antica
Ein kurzes Referat
Laut einer Marmorinschrift aus dem 2. Jahrhundert n.Chr. wurde Ostia im Jahre 640 v.Chr. von Ancus Marcius, dem vierten König Roms,als erste Kolonie Roms gegründet,bisherige archäologischen Befunden reichen jedoch nur bis ca.340 v.Chr.zurück.Es wird jedoch vermutet,dass in dieser Gegend schon im späten Bronzezeitalter (1400-1000 v.Chr.) Salz gewonnen wurde und es im Eisenzeitalter(1000-700v.Chr.)sogar eine Art Dorf gegeben haben soll.Wenn es eine von Marcius gegründete Siedlung gab müsste sie östlich der Salzfelder gelegen haben,es wurden bisher jedoch keine archäologischen Beweise dafür oder dagegen entdeckt.
Das erste römische Bauwerk im heutigen Stadtgebiet war ein rechteckiges Fort,194m lang und 125,7 m breit, welches aus Tuffstein erbaut worden war.Spuren der ehemaligen Mauern sind in der Nähe des späteren Forums gefunden worden.Den historischen Gegebenheiten nach müsste das Fort in der Zeit zwischen 349 bis 338 v.Chr gebaut worden sein,denn in dieser Zeit befand sich Rom im Krieg mit seinen Nachbarn und hatte zusätzlich mit Piraten zu kämpfen.Es liegt nahe,dass der militärische Vorposten nach dem Sieg über die Nachbarn zur Verteidigung gegen die Piraten erbaut worden ist,weil diese zu großen Teilen im Tibergebiet ihre Beutezüge ausführten.

Der Tuffstein des Castrums stammt aus dem späten 5. Jahrhundert v.Chr. könnte jedoch auch aus einer anderen Quelle stammen,sodass die Römer ihn wahrscheinlich aus bereits existierenden Bauten entnommen haben.Die älteste gefundene Keramik aus dem Zeitraum zwischen 380 und 340 v.Chr. ist eventuell eine Opfergabe an einen anderen Tempel gewesen,die aus einem nicht bekannten Grund dorthin gelangt ist.Zum ersten Mal schriftlich erwähnt wird Ostia in Zusammenhang mit zwei Schifffahrtsbeamten (lat. duumviri navales),es könnte sich allerdings auch um in Rom ansässige Beamte gehandelt haben.Am wahrscheinlichsten ist eine Gründung zwischen 300 und 278 v.Chr. nach den gefundenen Keramikarbeiten(wahrscheinlich Teller o. ä. keine genaueren Angaben).
Im 3. Jahrhundert v.Chr. war Ostia hauptsächlich ein Hafen und 267 v.Chr. wurde hier wegen der Punischen Kriege (Karthago)einer der quaestores classici (wörtlich: die bewährten Quästoren, hier =>Wächter der Flotte) hin verlegt,wodurch Ostia nun eine wichtige Rolle als Militärhafen spielte.Deswegen gab es hier auch nicht die Pflicht zum Militärdienst,damit die Bewohner ihrer (kriegswichtigen)Arbeit im Hafen nachgehen konnten.
Im 2. Jahrhundert v.Chr. wurde Ostia mehr zu einem Handelshafen,weil die Bevölkerung Roms aufgrund des militärischen Erfolges immer weiter wuchs.Der Quaestor wurde nun zum Verantwortlichen für den Import von Getreide (erst aus Sizilien und Sardinien,später auch aus Nordafrika).Wegen des regen Handels entstanden Lagerhäuser und Geschäfte, sowie zahlreiche Wohnviertel für Arbeiter. Die Stadt dehnte sich dadurch stark aus und war von einem mehr oder weniger symbolischen Mauerring umgeben,der jedoch nicht ansatzweise im Stande gewesen wäre „Eindringlinge“ fern zu halten,was allerdings auch nicht nötig war.So konnte sich Ostia in den ersten beiden Jahrhunderten nach seiner Gründung ungestört zu einer florierenden Hafenstadt entwickeln.

Im Verlauf der Bürgerkriege zwischen Marius* und Sulla*² bzw. ihren Verbündeten und Anhängern wurde die Stadt im Jahre 87 v. Chr. von Marius erobert,geplündert und teilweise zerstört.69 v.Chr. kam es zu einem Piratenüberfall bei dem sogar eine Flotte im Hafen Ostias zerstört wurde.Hauptsächlich wegen dieses Überfalls wurde der Neubau der Stadtmauern von Marcus Tullius Cicero 63 v. Chr. begonnen,der Bau wurde jedoch 58 v. Chr. von P. Clodius Pulcher einem politischen Rivalen Ciceros vollendet,die Stadtmauern umfassten jetzt ein wesentlich größeres Gebiet (2,8 km Länge).
Bis dahin wurde Ostia noch von Rom aus regiert,doch mit Fertigstellung der neuen Stadtmauern änderte sich dies und Ostia bekam eine eigene Regierung (die aber immer noch Rom unterstand)

Am Ende seiner Regierungszeit wurden von Kaiser Augustus (63 v.Chr. – 14 n.Chr.) viele Baumaßnahmen durchgeführt zu denen unter anderem das Forum mit nebenliegendem Geschäftsplatz ,das Theater mit Platz für bis zu 3000 Personen verschiedene Tempel sowie ein Aquädukt gehörten.

Auch danach wurde noch viel gebaut,Tiberius (14-37 n.Chr.) baute südlich des Forums zwei Tempel,einen für die Göttin Roma,den anderen für den zum Gott erhöhten Augustus.Dadurch wuchs natürlich auch die Feuergefahr und Claudius (41-54 v.Chr.)stationierte Soldaten als Feuerwehr nach Ostia.Während Vespasians Regierungszeit (69-79v.Chr.) wurde ein Teil der Stadtmauer zum Aquädukt umfunktioniert,um Wasser in den Süden der Stadt zu transportieren(evtl. zur Brandbekämpfung/-prävention ?).Und unter Domitian (81-96 n.Chr.) wurde jedes neue Gebäude 1m höher gebaut wahrscheinlich zum Schutz gegen Überflutungen. Kurz nach Ende seiner Herrschaft (also um 100 n.Chr.) wurden das aktuelle Rathaus und die Hauptbasilika westlich des Forums gebaut.Zu erwähnen wäre noch,dass die jüdische Gemeinde eine Synagoge in Nähe des Strandes baute,was viel über die damalige Religionsvielfalt aussagt.

Ostia war zur damaligen Zeit zwar der Hauptversorgungshafen Roms,doch bot die Küste in der Region kaum Schutz für die ankommenden Schiffe,sodass kleinere Schiffe direkt den Tiber hinauffuhren,die größeren Schiffe,die dies nicht konnten legten an den Kaien von Ostia an,doch die wirklich großen Schiffe konnten auch dort nicht anlegen und mussten auf See entladen werden,was ein durchaus schwieriger und komplizierter Vorgang war.
Also begann Kaiser Claudius (der Ostia auch ab und zu besuchte) 42 n. Chr. vier Kilometer nördlich an der Mündung eines Tiber-Nebenarms mit dem Bau eines 69 Hektar großen Hafenbeckens,das durch zwei weit ins Meer hineinreichende Molen begrenzt wurde.Es wurde allerdings schon 2 Jahre vor seiner kompletten Fertigstellung 64 n.Chr. unter Nero genutzt ,denn dort wurden damals 200 Schiffe durch eine Art Springflut versenkt,vielleicht war es sogar ein Tsunami (im selben Jahr wurde Pompeji durch den Ausbruch des Vesuv verschüttet,evtl Zusammenhang?).

In der Hafeneinfahrt stand auf einer künstlichen Insel ein Leuchtturm.Zur Fundamentierung dieser Insel wurde ein großes, mit Steinen beladenes Schiff versenkt,das zuvor zum Transport eines Obelisken aus Ägypten gedient hatte.

Die Molen dienten als Ankerplätze,doch sollte die südliche Mole zusätzlich das Hafenbecken vor den beständigen südwestlichen Winden schützen und als Wellenbrecher dienen.Dies war jedoch nur teilweise erfolgreich.So berichtet Tacitus vom Untergang mehrerer Getreideschiffe im Jahr 62 n. Chr. innerhalb des Hafens als Folge eines Sturms.
Das nach Nordwesten geöffnete Hafenbecken wurde im Südosten durch einen Kanal mit dem Tiber verbunden,so dass die angelandeten Waren – darunter große Mengen von Getreide aus Ägypten und Afrika – leicht nach Rom weitertransportiert werden konnten.Darüber hinaus wurde mit der 24 Kilometer langen Via Portuensis eine neue Straßenverbindung geschaffen.So war Ostia im 1. Jahrhundert nach Christi zum bedeutendsten Zentrum der römischen Lebensmittelversorgung herangewachsen und war somit der wichtigste Hafen Roms.
Um 103 n. Chr. erweiterte Kaiser Trajan den Hafen durch ein östwärts anschließendes, 39 Hektar großes,sechseckiges Becken,dessen noch deutlich sichtbare Reste (unmittelbar südlich der Flughafengebäude) als Folge der Verlandung heute etwa einen Kilometer von der Küste entfernt liegen. Aufgrund seines Durchmessers von über 700 Metern fanden selbst die größten damaligen Schiffe Platz an den Kais an denen sich mächtige Lagerhäuser entlang zogen.

Schnell übernahm der neue Hafen viele Aufgaben, die bis dahin vom Hafen in Ostia erfüllt worden waren. Dennoch blieb Ostia aufgrund seiner Größe und wegen der direkten Verbindung zum Tiber zunächst noch einer der wichtigsten römischen Häfen und Portus nur ein Stadtteil,in dem fast nur Verwaltungsgebäude, Lagerhäuser und andere für den Hafen notwendige Gebäude standen.
Die Stadt Ostia erlebte vor allem im 2. Jahrhundert n.Chr. ihre größte Blüte. Es setzte ein sogar ein regelrechter Bauboom ein,hauptsächlich veranlasst durch Hadrian,der die Aufmerksamkeit der Beamten nach Fertigstellung des Trajan-Hafens auf den Neubau Ostias lenkte.Während seiner zwei Regierungszeiten als duovir (eine Art Konsul Ostias,die für ein Jahr regierten) veranlasste er den kompletten Neubau des süd-östlichen Teils Ostias und baute ein riesiges Kapitol nördlich des Forums,er brachte sogar seine beiden Gönner Antoninus Pius und Gavius Maximus (zwei hohe Beamte in Rom) dazu prachtvolle Bäder zu stiften.In dieser Zeit wurden eine Flotte von Kriegsschiffen nach Ostia verlegt und die Soldaten nahmen die Funktion von Polizisten ein,brachten jedoch auch Botschafter,Gouverneure oder auch Generäle in das gesamte römische Herrschaftsgebiet.Ebenso wurde eine neue Feuerwehr aufgestellt,die in neu gebauten Kasernen im Süd-Osten Ostias stationiert wurden.

Aus dieser Periode stammen auch die meisten noch heute erhaltenen öffentlichen, aber auch privaten Gebäude. Die Hafenstadt hatte in dieser Zeit circa 80.000 Einwohner (teilweise widersprüchliche Informationen, manche Quellen sprechen von 50.000,andere von 100.000). Gerber, Seilmacher, Schiffbauer, Reeder und Händler ließen sich hier nieder. Wichtigstes Handelsgut war Getreide, das aus Afrika und Ägypten nach Rom eingeführt wurde
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Doch Ostia war außerdem von großer militärischer Bedeutung,so wurde z.B. 217 v. Chr. die Versorgung der Armee gegen Hannibal in Spanien von Ostia aus verschifft und 211 v. Chr. fuhr von hier Gnaeus Cornelius Scipio Calvus nach Spanien um die Karthager zu bekämpfen.
Doch mit dem allmählichen Niedergang des Römischen Reiches und durch die immer weiter fortschreitende Versandung der Küste wurde Ostia immer unwichtiger als Hafenstadt.
Der Niedergang Ostias beschleunigte sich, als Konstantin Portus im Jahr 314 zur colonia erhob (ihm also sozusagen die Stadtrechte verlieh) und Ostia wenig später gemeinsam mit Portus der Stadt Rom als Portus Romae eingemeindete.Ein Wall, den Konstantin zum Schutz des Hafens zwischen Portus und Ostia errichtete, manifestierte die Trennung.Die Bevölkerung Ostias verringerte sich rapide nach Überfällen der Wandalen und Sarazenen und im 4. Jahrhundert n.Chr. entzog Kaiser Konstantin Ostia das Stadtrecht.
Während der Kämpfe um Rom zwischen den Ostgoten und den oströmischen Truppen unter Belisar diente Ostia um 540 noch einmal als Versorgungshafen für die Ewige Stadt.Doch nach der Völkerwanderungszeit war Ostia,in dessen Umfeld in Folge der Verlandung Sümpfe entstanden waren,was zu häufigen Malariaepidemien führte,kaum noch bewohnt.Bald nach 800 wurden die verbliebenen Einwohner dann umgesiedelt: Einige Kilometer östlich entstand im frühen 9. Jahrhundert unter Papst Gregor IV. Gregoriopoli als neuer befestigter Vorort Roms zur Bewachung von Flussmündung und Straße.Gregoriopoli wurde im 15. Jahrhundert noch durch eine Burg verstärkt,die als Zollstätte für den neubelebten Handel diente.Da jedoch der Tiber bei einer großen Überschwemmung 1557 seinen Flusslauf verlagerte,wurde auch Gregoriopoli bedeutungslos.In der Folge verlegte man die Zollstelle an das westliche Ende des antiken Ostia.Die Torre Bonacina genannte Anlage wurde möglicherweise auf den Resten des antiken Leuchtturms von Ostia errichtet.
Nach dem Zerfall des römischen Imperiums teilte Ostia das Schicksal vieler römischer Bauten und diente teilweise als Steinbruch für verschiedene Bauten, darunter auch der schiefe Turm von Pisa,ist jedoch immer noch sehr gut erhalten.

Seit dem 19. Jahrhundert haben Archäologen mehr als die Hälfte des 66 ha großen Stadtgebietes Ostias freigelegt und haben dabei immer neue Einblicke in das Leben in einer Römischen Hafenstadt gewonnen.
In mehreren Schritten, zunächst unter päpstlicher Oberhoheit, dann seit 1870 durch die staatlichen Stellen wurden bis 1942 ca. 40% des antiken Stadtgebietes freigelegt. Seit dem Ende des 2. Weltkrieges konzentrieren sich die Arbeiten vorwiegend auf die Untersuchung, Dokumentation und Instandhaltung des freigelegten Baubestandes. Im Gegensatz zu Pompeji ist das Engagement ausländischer Forschungsinstitute in Ostia eine verhältnismäßig junge Entwicklung. Das DAI Rom(Deutsche Archäologische Institut) ist seit 1995 mit mehreren Projekten in Ostia aktiv.
Angesichts der in jüngerer Zeit sprunghaft zunehmenden Forschungsaktivitäten in Ostia konnte auf Initiative des DAI Rom und in Zusammenarbeit mit der Soprintendenza di Ostia und anderen ausländischen Instituten ein internationales Diskussionsforum in Gestalt zweijährlich abgehaltener Ostia-Kolloquien ins Leben gerufen werden. Diese sollen allen derzeit in Ostia arbeitenden Forscher und Instituten, Gelegenheit zur Vorstellung neuester Ergebnisse und der Diskussion bestimmter Fragestellungen bieten

*= Gaius Marius war ein äußerst bedeutender Feldherr und Staatsmann,der Onkel von Julius Caesar und wird wegen seiner Heeresreform(Umstellung auf Berufssoldaten und Veteranenversorgung,insgesamt wurde das Heer stärker an den Feldherrn gebunden) auch der dritte Gründungsvater Roms genannt.
Zum Bürgerkrieg mit Sulla kam es,weil ihm nach Absetzung Sullas als Konsul(dem eigentlich das Kommando zugestanden hätte) der Oberbefehl über die Truppen im Mithridadischen Krieg übertragen wurde.In Folge dessen wurde er von Sulla gejagt,konnte jedoch nach Nordafrika(Karthago) entkommen.Nach Sullas Aufbruch in den Krieg kehrte er 87 v.Chr. mit seinen Truppen nach Rom zurück und übernahm dort die Macht.Er ließ sich 86 v.Chr. zum 7. Mal zum Konsul wählen,starb jedoch kurz danach an einer Lungenentzündung.

Lucius Cornelius Sulla war ein wichtiger römischer Politiker,Feldherr und später auch Diktator in der Spätphase der Römischen Repuplik.Er war um 88 v.Chr. Konsul,als ihm der Oberbefehl im Mithridadischen Krieg entzogen werden sollte.Es kam zu Tumulten,wegen denen sich Sulla im Haus des Marius verstecken musste.Er wurde jedoch gefunden und musste unter Gewaltandrohung seiner Amtsenthebung zustimmen.Danach zog er sich zu seinem Heer zurück und marschierte mit seinen Soldaten(die Offiziere verweigerten den Gehorsam) gegen Rom.Nachdem er Rom erobert und seine politischen Gegner entweder vertrieben oder getötet hatte,sowie Roms Politik nach seinen Vorstellungen umstrukturiert hatte marschierte er mit seinem Heer nach Osten um in den Mithridadischen Krieg zu ziehen.
Als er 83 v. Chr. zurückkehrte musste er Rom ein zweites Mal erobern und nach seinem endgültigen Sieg 82 v.Chr. ließ er sich zum Dictator ernennen und etablierte seine Schreckensherrschaft.
79 v.Chr. dankte er ab und zog sich ins Privatleben außerhalb Roms zurück.Er verfasste in 22 Büchern seine Memoiren und starb 78 v.Chr. an den Folgen eines Blutsturzes.

Quellen: Wikipedia.de, Abipur.de, bbs-syke.de(Berufsbildende Schulen Syke), “Rom – Die antiken Denkmäler – Mit Villa Hadriana und Ostia Antica “ von Günter Wachmeier (Artemis Verlag), http://www.ostia-antica.org

Ostia Antica – die alte Hafenstadt der Römer
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