Frau/Herr Xy! Liebe Mitschülerinnen und Mitschüler.
“Es gibt nur eins was auf Dauer teurer ist als Bildung. Keine Bildung!” Bedauerlicherweise war John F. Kennedys Warnung bereits vergessen, als der Bologna-Alptraum beschlossen wurde.

Doch worum geht es eigentlich bei dem mittlerweile 12jährigen Prozess?
Folgenreichstes Ziel ist wohl die sogenannte “Stärkung der internationalen Mobilität”. Konkret bedeutet dies, die Vereinheitlichung der Hochschulabschlüsse in 29 europäischen Staaten.

So auch in Deutschland, welches sukzessive Studiengänge mit Diplom- und Magisterabschluss, neuerdings auch Staatsexamen, in solche mit Bachelor- und Master ummurkst.
Ich möchte euch aus erster Hand von den fatalen Folgen berichten, da ich ebenfalls Studentin war, als sich eben diese radikale Umstrukturierung auch an meiner Hochschule vollzog.

Frustration, Überforderung, Stress, schlimmstenfalls Burnout waren die Symptome von denen Unipsychologen zu berichten wussten und aus denen zahlreiche Studierende ihre Motivation für Proteste 2009 bezogen.

Eine absolut logische Folge, die die Regierung entweder wissentlich in Kauf nahm oder schlicht nicht absah, schließlich sahen sich Studenten quasi über Nacht, einem weit höheren Lernpensum in kürzerer Zeit gegenüber.

Mehrnoch: Bachelorstudiengänge sollen große Mengen von Studierenden möglichst schnell durch voll ausgelastete Hörsäle schleusen und sind so konzipiert, dass den Studierenden genau so viel Wissen vermittelt werden soll, wie für ihre spätere Verwertbarkeit benötigt wird.

Anwesenheits- und Leistungskontrollen sollen die Studierenden dabei auf Trab bringen. Ganze Wissensgebiete wurden dafür in kleine, gut abrufbare Bildungshäppchen zerlegt.
Genau deshalb bietet der Bachelor – entgegen den Behauptungen seitens der Regierung – keine guten Berufschancen.

Er hat nicht nur ein Imageproblem, er ist de facto eine Bildungskürzung.
Bachelorabsolventinnen und -absolventen wünschen sich eine vielseitige und kompetente Qualifizierung.

Für selbstbestimmtes Lernen und kritisches Reflektieren, für die Entfaltung der Persönlichkeit und für die Einbeziehung in die Forschung ist kein Platz mehr.
Vorgegebene Lerninhalte, welche zu “Beschäftigungsfähigkeit” und “internationaler Wettbewerbsfähigkeit” führen sollen, dominieren den Hochschulalltag.

Diese Reform ist eine Ökonomisierung der Bildung!

Wirtschaftliche Bedürfnisse und die Interessen von Unternehmen stehen über den akademischen Ansprüchen der Lernenden und Lehrenden.

Unigremien wurden durch sich einkaufende Lobbys entmachtet, die sich nun ihre persönliche Elite heran züchten.
Das ist auch der Grund, weshalb aufbauende Masterstudiengänge fast ausschließlich an Bachelorabsolventen der gleichen Uni vergeben werden.
Eine hanebüchene Tatsache, die den wahren Charakter der Reform zeigt, denn ich frage mich ernsthaft an welcher Stelle hier bitteschön das Ziel der Mobilität erfüllt wird?!

Ich fordere für uns alle das Recht auf eine gute wissenschaftliche Bildung, unabhängig von wirtschaftlichen Interessen, denn eines ist klar:
Wenn das so weitergeht, können wir, Deutschland, das Land der Dichter und Denker, so manchem geisteswissenschaftlichen oder künstlerischen Studiengang “Lebe wohl!” sagen.

Wer braucht noch Historiker, Maler, Verleger oder Soziologen, wenn doch Informatiker, Maschinenbauer, Pharmazeutiker und Betriebswirte vielfach höhere Gewinne erzielen?
Ich spreche mich gegen einen humankapitalistischen Wertvergleich aus und für einen Maßstab der Allgemeinbildung und Freiheit.

Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit!

Rede – Weg mit Bologna!
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