Probleme der Japanischen Gesellschaft



  • Titel: Probleme der Japanischen Gesellschaft
  • Autor: anonym
  • Beschreibung: Eine Belegarbeit zum Thema "Probleme der Japanischen Gesellschaft". Hausaufgabenweb.de
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[Belegarbeit] Thema:

Erörtern Sie an einem selbst gewählten Beispiel aktuelle Probleme der japanischen Gesellschaft. [Die Bilder mussten leider gekürzt werden. Bei Abbildungsnachweise könnt ihr sie jedoch alle finden]

PROBLEME DER JAPANISCHEN GESELLSCHAFT
1. Wirtschaftliche Dauerkrise Japans
2. Gesellschaftliche Probleme
3. Politischer Kurs
4. Stellungnahmen
5. Quellenverzeichnis

1. Wirtschaftliche Dauerkrise Japans



“Fraglos lässt sich die «massive menschliche Tragödie», wie die Japan Times titelt, hauptsächlich auf die wirtschaftliche Dauerkrise in Nippon zurückführen, in der Firmenbankrotte an der Tagesordnung sind und ein kompromissloser Stellenabbau zur Norm wird.”1
Zweifelsohne hat eine wirtschaftliche Veränderung, besonders in einer fortschrittlichen Industrienation, deren Fundament der Erfolg ihrer Wirtschaft ist, immer auch Konsequenzen auf die Gesellschaft. Um Gesellschaftliche Probleme verstehen und lösen zu können, muss man sich daher zunächst erst mit deren Ursprüngen auseinandersetzen.
Wie in der nebenstehenden Grafik veranschaulicht wurde, hat sich das Wirtschaftswachstum Japans in den letzten zehn Jahren deutlich verlangsamt. Die rasante, nahezu exponentielle Wachstumsphase Japans hat ein Ende gefunden, ein lineares Wachstum wurde zuletzt kurz nach der Jahrtausendwende erreicht, zurzeit sinkt es unaufhörlich und auch wenn es sich in Japan immer noch um eine der höchsten Wachstumsraten unter den modernen Industriestaaten handelt, kann diese Entwicklung nicht ohne Sorge verfolgt werden. Die längste und schwerwiegendste Phase des Wirtschaftswachstumszurückgangs ab 1990 wirkt besonders beunruhigend. Dieser Rückgang hat verschiedenste Ursachen, deren negative Auswirkungen auf die japanische Wirtschaft durch Naturkatastrophen noch verschärft wurde. So ließ zum Beispiel das große Erdbeben in Kobe 1995 den Nikkei-Index erheblich fallen und brachte somit die Vermögenswerte der banken erheblich schrumpfen. “Sollte der Nikkei Index sogar bis auf 14.700 Punkte sinken und längere Zeit auf diesem Niveau verharren, so wären viele Banken nicht mehr in der Lage die «faulen» Kredite zu finanzieren. Die Folge wäre eine Bankenpleite großen Ausmaßes. Experten schätzen, daß schon ein Nikkei Index unterhalb 16.000 Punkte bei 5 der 20 Großbanken die Kursgewinne ihrer Aktienportefeuilles aufzehren wird.”2
Eine solche Entwicklung wäre für ganz Asien eine Katastrophe, da Japan der größte Kapitalgeber im Japanischen Raum ist. Nach Asien gingen mehr als 3/4 aller japanischen Auslandskredite. Allein in Hong Kong gehören 50% der Vermögenswerte Japanern. Heinz Olaf Franken (dem auch die eben genannten Angaben entnommen wurden) meint dazu folgendes:
“Die japanische Wirtschaft steckt in der Krise. Der konjunkturelle Aufschwung in den 80er Jahren (bubble economy) basierte auf einem boomenden Immobilienmarkt und einer spekulierenden Börsenhausse. Innerhalb von 5 Jahren kam es zu einer Verdreifachung der Grundstückspreise und der Börsenkurse. Der Nikkei Index stieg bis auf 40.000 Punkte. Die Grundfläche des Kaiserpalastes in Tokio wurde höher bewertet als die Fläche Kaliforniens. Niedrige jährliche Wachstumsraten, ein Einbruch des Nikkei Index bis auf 14.000 Punkte in den Jahren 1992 und 1995 sowie der Preisverfall der Immobilien beendeten das Wirtschaftswachstum zu Beginn der 90er Jahre. [...] Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde hätte derzeit sogar keine Chance in die Europäische Währungsunion aufgenommen zu werden, denn sie überschreitet mit einer Staatsverschuldung von 85 % des BIP* und einer jährlichen Neuverschuldung von 5 % die erforderlichen Maastricht Kriterien.”2 (*Bruttoinlandsprodukt)
Die besondere Bedeutung des Wirtschaftswachstums für Japan kann nur im Zusammenhang mit der Geschichte des Landes verstanden werden. Nach der Niederlage Japans im zweiten Weltkrieg wurde im Konsum und im Wirtschaftswachstum eine neue Identität gefunden. Das Volk wurde ruhig gestellt und die Politiker konnten ihren Profit aus der Situation ziehen. Hinzu kam, dass die USA Japan als östlichen Verbündeten im Kalten Krieg bei der Stange halten wollten. Sie sahen deshalb großzügig darüber hinweg, dass die Japaner zwar fleißig produzierten und exportierten, aber sich vor Importen geschickt abschotteten. Erst in den achtziger Jahren, als sich das Ende des Kalten Krieges anbahnte, führte dieses Ungleichgewicht zu erheblichen Konflikten mit den Vereinigten Staaten. Die sinkenden Expote Japans wurden mit Hilfe der sogenannten «Seifenblasenwirtschaft» kompensiert. “Unternehmen pumpten sich Geld, indem sie auf ihre Grundstücke Hypotheken aufnahmen. Mit diesem Geld kauften sie weitere Grundstücke, liehen sich darauf wieder Geld. Die ohnehin hohen japanischen Immobilienpreise stiegen ins Gigantische neue Gelder konnten aufgenommen werden mit denen wieder spekuliert wurde: Immobilien, Aktien, Auslandbeteiligungen. Alles ohne realen Gegenwert. Die «Seifenblase» zerplatzte 1992.”3 Es stellt sich die Frage, wer nun die Verantwortung für das Scheitern dieser Wirtschaftsform übernehmen muss. “Meist springt der Staat sprich: der Steuerzahler ein und übernimmt dann den Schaden. Die zuvor durch Spekulation gemachten Gewinne bleiben unangetastet, die Verluste werden sozialisiert.”3
Aus dieser gescheiterten Wirtschaftsform entstand das nächste Problem: Schulden. Ein Vergleich der Staatsverschuldung Japans mit fünf anderen Industrienationen wurde von der Deutschen Bank Group veranschaulicht. Der starke Anstieg der japanischen Verschuldung ist wieder einmal ab den neunziger Jahren zu erkennen. Die Grenzwerte Maastricht-Kriterien wurden um das Jahr 1996 von Japan überschritten und bis 2002 (dem Entstehungsjahr der Statistik) ist keine gegensteuernde Entwicklung zu erkennen. Wie es zu einem so rasanten Anstieg der Staatsverschuldung kommen konnte, wird im dritten Kapitel dieses Abschnitts (“Politischer Kurs”) geklärt.
Auch für die japanische Währung, den Yen, sind die rosigen Zeiten vorbei. “Nach den «leichteren» fernöstlichen Währungen haben sich internationale Spekulanten jetzt auch den Yen als Zielscheibe genommen. Japan verfügt zwar mit 200 Milliarden Dollar über die größten Devisenreserven der Welt doch die täglich um den Globus rotierenden Geldmassen sind um ein vielfaches höher. Der Yen brach bereits ein und fiel auf seinen tiefsten Stand seit sieben Jahren: 1000 Yen kosteten am 15. Juni 1998 nur noch 6,84 Dollar. Am 11. Juni waren es noch 8,99 Dollar gewesen.”3 Erst als China damit drohte, die eigene Währung ebenfalls abzuwerten, griff die amerikanische Notenbank ein. Durch den verbilligten Yen stellten japanische Exporte plötzlich eine Konkurrenz für die chinesischen Billigexporte dar.
Der Teufelskreis, in dem sich Japans Wirtschaft zur Zeit befindet, lässt sich kurz und präzise zusammenfassen: “Japan befindet sich nach Aussage des Rheinischen Merkur in einer "selbst gestellten Liquiditätsfalle": Aufgrund der niedrigen Zinsen wendet sich das Kapital ab, investiert woanders oder hält sein Geld lieber liquide, statt es im Wirtschaftskreislauf weiter fließen zu lassen.”3


2. Gesellschaftliche Probleme


Die wirtschaftliche Krise Japans hat direkten Einfluss auf die Gesellschaft. Fehlendes Kapital führte zu massenhaften Entlassungen. Die Entlassungen führten zu einer immer tiefer werdenden sozialen Polarisierung zwischen Reich und Arm. Fehlende soziale Absicherung führte zu Armut der Bevölkerung und dem Absturz vieler Karrieren. Die Zahlen der Obdachlosen, Selbstmorde und Verbrechen steigen rapide an. Unzufriedenheit mit der Regierung macht sich breit. Soweit das allgemeine Bild, das sich im modernen Japan bietet.
Die besondere Notlage der japanischen Gesellschaft zeigt sich am besten an der Arbeitslosigkeit und den Problemen, die damit zusammen hängen. “Am 31. Juli*, dem Tag von Obuchis Machtantritt, gab die Regierung bekannt, daß die Arbeitslosigkeit mit 4,3 Prozent einen Höchststand seit dem zweiten Weltkrieg erreicht hatte. In jedem anderen Land hätte diese Zahl Jubelfeiern der Regierung ausgelöst. Unter den größeren Industrienationen erreichen nur noch die USA vergleichbare Arbeitslosenzahlen. Aber die Situation in Japan ist anders”4 (*1998)
Wie in allen kapitalistischen Ländern wird das reale Ausmaß der Arbeitslosigkeit geschönt.Die Buisness Week berichtete von einem 25-jährigen Masao Ohashi, der in einem Pappkarton unter einer Eisenbahnbrücke in Tokio lebt: “[...]aber die japanische Regierung betrachtet Ohashi als beschäftigt. Sie zählt jeden, der in der letzten Woche eines Monats eine Stunde gearbeitet hat, zu denjenigen, die Arbeit haben. Ohashi arbeitete das letzte Mal am 28. Juni, als er 59 Dollar (106 Mark*) verdiente, indem er einige Stunden lang half, die Schreibtische einer Firma zu transportieren. Man schätzt, daß die reale Arbeitslosigkeit sich auf zehn Prozent oder mehr beläuft."4 (*54 Euro)
Das besondere Dilemma der japanischen Arbeiter ist die traditionelle «Einstellung auf Lebenszeit», mit der große Konzerne versuchten eine “loyale Firmenmentalität”4 zu erzeugen. Diese Garantie einer lebenslangen Beschäftigung “übernahm die Funktion einer staatlichen Arbeitslosenversicherung oder anderer Sozialleistungen, die generell in Japan äußerst bescheiden sind. Heute, wo offiziell drei Millionen Menschen arbeitslos sind, wiegt das Fehlen der staatlichen Leistungen besonders schwer und verschlimmert die schwierige und unsichere Lage der Arbeiter.”4 Das sogenannte Arbeitslosengeld ist in Japan nur zur Überbrückung der Zeit zwischen zwei Stellen gedacht und wird daher nicht länger als sechs bis zwölf Monate ausgezahlt. Außerdem steht es nur denjenigen zu, die als Vollzeitarbeiter oder Vorgesetzter gearbeitet haben. Allerdings garantiert die «Einstellung auf Lebenszeit» weiterhin vielen Angestellten, für die es eigentlich nichts zu tun gibt, ihren Arbeitsplatz. Laut Nimoru Ito vom japanischen Arbeitsinstitut "wären 1.5 Millionen zumeist mittlere Führungskräfte mehr arbeitslos, wenn die japanischen Konzerne ihre Beschäftigten so brutal wie die amerikanischen entlassen würden"4.
Während die Arbeitslosenzahl in Japan stetig steigt, sind die Bürden des Alltags für viele Familien kaum noch zu ertragen. “Viele Familien kämpfen hart, um die hohen Hypotheken für Häuser und Eigentumswohnungen bezahlen zu können, die sie auf der Höhe des Immobilien Booms in den achtziger Jahren gekauft haben und die jetzt nur noch dreißig Prozent ihres ursprünglichen Werts haben. Sie schulden oftmals höhere Beträge, als ihr Haus im ganzen noch wert ist.”4 Diese gesellschaftliche Situation ist ein gefundenes Fressen für die Finanzhäuser und Kredithaie, die wie Pilze aus dem Boden sprießen und große Summen Geld zu einem Wucherzins von teilweise sogar über vierzig Prozent verleihen.
Die Arbeitslosigkeit hat wegen der fehlenden sozialen Absicherung die steigende Anzahl von Obdachlosen direkt zur Folge. Christine Ulrich berichtet von dem Obdachlosen Herrn Yamada, einem Anfang fünfzigjährigen, der seinen Posten beim Bau verloren hat, als er aufgrund einer Herzoperation körperlich anstrengende Arbeiten nicht mehr ausüben konnte. “Seine Krankenkasse hat ihn hinausgeworfen, da er sechs Monate nach der Operation immer noch nicht genesen war. Nun lebt er schon seit anderthalb Jahren auf der Straße; ohne Einkünfte und ohne ärztliche Versorgung. Herr Yamada ist kein Einzelfall. Er ist nur einer von den zehn bis 20 Obdachlosen, die regelmäßig auf dem Vorplatz des Bahnhofsausganges «Hachiko» in Shibuya* übernachten, einer von 6.000 bis 8.000 Obdachlosen in Tokio und einer von den 30.000 geschätzten Obdachlosen landesweit.”5 (*Stadtteil von Tokio) Dass die japanischen Obdachlosen trotz Armut versuchen, ihren Lebensstandard mit den geringsten Mitteln aufrecht zu erhalten, stößt im Ausland immer wieder auf Verwunderung. “Es sind außerdem nur sehr wenige, die straffällig werden. Die Ursache, warum die meisten Obdachlosen in Japan weniger verwahrlosen als beispielsweise in den USA oder in Deutschland, liegt wohl darin begründet, dass sie nur selten aufgrund von Alkohol oder Drogenabhängigkeit auf der Straße landen, sondern fast ausschließlich, weil sie Opfer von Firmenpleiten oder rationalisierungen werden. Die Mehrheit der Obdachlosen stellt die Gruppe der Männer im Alter von 50 Jahren und älter, die aufgrund ihres Alters nicht mehr zu vermitteln sind.”5
Ein besonders erschreckendes Phänomen der japanischen Gesellschaft, das durch Arbeitslosigkeit, fehlende soziale Absicherungen, Obdachlosigkeit, Verschuldung und der Verzweiflung, die aus all dem resultiert, entstanden ist, zeigt sich in einem massenhaften Selbstmordverhalten der japanischen Bürger. “In Japan haben alleine seit 1998 über 120 000 Menschen Selbstmord begangen, pro Jahr mehr als 30 000, täglich über 80. Die Selbstmordrate, die höchste nach dem Zweiten Weltkrieg, liegt bei 25 Menschen pro 100 000 Staatsbürger. In keiner westlichen Industrienation nehmen sich so viele das Leben. Zum Vergleich: In Großbritannien sind es 7, in den USA 12 und in Deutschland 16.”1 “Drei Viertel der Selbstmörder waren männlich, ein Drittel war über 60 Jahre alt. Für 45 Prozent der Selbstmorde werden gesundheitliche Probleme verantwortlich gemacht, aber mehr als ein Viertel der Fälle traten aufgrund ökonomischer und finanzieller Probleme auf.”6 Bei unter 19-Jährigen stiegt die Rate um 22 Prozent, bei Grund- und Mittelschülern wuchs sie sogar um 60 Prozent.6
“Ein Bericht des Gesundheitsministeriums hat gezeigt, dass Suizid in Japan die sechsthäufigste Todesursache ist, nach Krebs, Herzleiden und anderen Krankheiten.”6
Der Grund, warum Japaner viel häufiger den Freitod zur Lösung ihrer Probleme wählen als Europäer oder Amerikaner, ist in ihrer Kultur tief verwurzelt. Selbsttötung (hara-kiri) und Wiedergutmachung (kataki-uchi) sind im Bushidô, dem moralischen Regelwerk japanischer Samuraikrieger, festgehaltene Tugenden und ehrenvolle Handlungsrichtlinien. Während Suizid in westlichen Ländern als eine Feige Flucht aus den Problemen des Lebens verachtet wird, bedeutet er für Japaner etwas völlig anderes: “[...]für uns sind damit edelste taten und rührendste Feierlichkeiten verbunden”7, schrieb Inazô Nitobe (1862-1933), japanischer Diplomat und Professor in Sapporo und den USA. Der Selbstmord “war eine Erfindung des Mittelalters, durch die Krieger ihre Verbrechen sühnten, ihre Fehler wieder gutmachten, der Schande entkamen, ihre Freunde befreiten oder ihre Aufrichtigkeit bewiesen.”7 Hara-kiri wurde als noble und ehrenwerte Geste empfunden, Verantwortung für das eigene Scheitern oder Fehlverhalten zu übernehmen.”Die Verherrlichung des seppuku* führte natürlich in Versuchung, es auch ungerechtfertigt zu begehen; aus Gründen, die nicht der Vernunft entsprachen, oder ohne den Tod verdient zu haben, stürzten sich Heißblütige hinein wie Fliegen in das Feuer.”7 (*anderes Wort für hara-kiri, im Westen kaum bekannt)Die Abbildung zeigt die verborgene Symbolik, die der Freitod in Japan besitzt. Traditionell wird hara-kiri in der dargestellten Position begangen. Die Krieger schlitzen sich mit dem katakana (Samuraischwert) den Bauch auf, denn dort soll sich der Sitz der Seele befinden, die von der Last der Schuld befreit werden muss.
Dass sich Japans Gesellschaft in einer schweren Krise befindet zeigt sich vor allem auch an der immer weiter steigenden Kriminalität im Land. “In den ersten sechs Monaten dieses Jahres stieg die Verbrechensrate um 12 Prozent mehr als im letzten Jahr.”8 “Nachdem 1998 die 2 Mio. Schwelle bei Kriminalitätsdelikten überschritten wurde, stiegen diese im Jahr 2001 (zu 2000) um weitere 12,1% auf 2,74 Mio. (ohne Verkehrsdelikte). Gleichzeitig fiel die allgemeine Aufklärungsrate auf 19,8%.”9
Die obenstehende Grafik veranschaulicht den Anstieg der Kapitalverbrechen in Japan von 1984 bis 2000 und die Anzahl der Arreste, die darauf folgten. Erschreckend ist vor allem, dass ein immer geringerer Teil der Verbrechen auch aufgeklärt wurde.
Eine weitere Grafik zeigt den allgemeinen Anstieg der Verbrechensdelikte in Japan und deren geringe Aufklärungserfolge.”Dass an Gewaltakten die immer häufiger auf offener Straße geschehen immer mehr jugendliche Straftäter beteiligt sind, entsetzt die Öffentlichkeit.“8

3. Politischer Kurs


“Die Politik verläuft nicht mehr in den üblichen Bahnen. Vier Jahrzehnte lang gewann die LDP jede Wahl und die Sozialistische Partei von Japan (SPJ) bildete zusammen mit ein paar kleineren Parteien die offizielle Opposition. Aber 1993 begann die LDP nach einer langen Reihe von Korruptionsskandalen auseinanderzubrechen, und zum erstenmal seit 1940 wurde die Regierung nicht von der LDP geführt.”4 Neben Veränderungen in der Regierungsführung hat sich auch das Wahlverhalten der Japaner erheblich verändert. Sie sind verunsichert und unzufrieden. Sie haben das Vertrauen in die Politiker verloren: “Nur 58 Prozent haben an der letzten Wahl teilgenommen. Aber dies war sogar noch eine starke Zunahme im Vergleich zur vorletzten Wahl, an der sich nur 44 Prozent beteiligt hatten. Das heißt, daß ungefähr jeder zweite Wähler von der offiziellen Politik und allen politischen Parteien genug hat und in den Wahlen überhaupt keinen Sinn mehr sieht.”4
Das Misstrauen der Wähler begründet sich nicht nur in etlichen Korruptionsskandalen der Regierung, sondern auch in deren Unfähigkeit, sich der gesellschaftlichen Probleme anzunehmen. Um die Arbeitslosigkeit zu mindern hat die japanische Regierung “einen Modus entwickelt, wie sie Agenturen finanzieren kann, um Arbeitslose bei der Arbeitsuche zu unterstützen, aber die Aussichten sind äußerst begrenzt. Laut einem Bericht stellen sich jeden Tag Tausende arbeitsloser Manager am staatlichen "Hallo Arbeit" Zentrum im Iidabashi Viertel von Tokyo an. Nur fünf Prozent von ihnen bekommen eine Stelle. Für Industriearbeiter, Frauen, Jugendliche und Einwanderer sind die Chancen noch geringer.”4 Ein weiterer Grund für den Zorn der Bevölkerung war folgende Ankündigung des gegenwärtigen Premierministers Obuchi: Er “plant unter dem Druck der einheimischen Wirtschaft, der USA und des IWF Steuerreformen, die hauptsächlich die Steuern der reichsten Schichten der Gesellschaft und der Konzerne senken sollen. Der Spitzensteuersatz wird wahrscheinlich von 65 auf 50 Prozent gesenkt werden.”4 Eine solche Maßnahme würde die soziale Polarisierung zwischen Arm und Reich in Japan deutlich vertiefen.
Weiterhin bleibt offen, wie es mit den bereits begonnenen Reformen in Japan weitergeht. “In Japan ist die Liberalisierung der Wirtschaft unter dem abgetretenen Premier Junichiro Koizumi gut vorangekommen. Doch inzwischen wachsen die Zweifel, ob sein Nachfolger Shinzo Abe (siehe Abbildung rechts) weitermacht, wo Koizumi aufgehört hat.”10 Im Jahre 2007 werden zum ersten Mal seit 12 Jahren die landesweite Kummunal- und die Oberhauswahl wieder zusammenfallen. Die Regierung steht also unter besonderem Druck.
“In seiner Neujahrsansprache versprach Abe, die „Flamme der Reformen weiter brennen zu lassen“. Doch dann kündigte er lediglich einige politische Änderungen an. Er sprach über Nordkorea, den Irak, über Schulen und Mauteinnahmen und kündigte an, noch im Jahr 2007 eine Volksabstimmung über eine „dem neuen Zeitalter gemäße“ Verfassungsänderung durchzusetzen. Damit ist vermutlich gemeint, dass Japan künftig auch offiziell eine Armee haben darf, was bisher laut Verfassung nicht vorgesehen war. Von Liberalisierungen kein Wort.”10
Allerdings scheinen sich auch positive Entwicklungen abzuzeichnen: “Am vorletzten Tag des abgelaufenen Jahres ließen Watanabe und Abe zudem in der Presse Regierungspläne streuen, dass die Ministerien ihre Beamten ab 2009 nicht mehr nach Dienstjahren, sondern nach Leistung befördern sollen. Mit dieser Reform würde die Regierung endlich nachvollziehen, was die Wirtschaft schon geschafft hat – die Abkehr vom traditionellen Senioritätsprinzip zugunsten größerer Effizienz.”10

4. Stellungnahmen


Der Bestsellerautor Kenichi Ohmae (59) zur aktuellen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Situation in Japan:
“Wir befinden uns nicht im freien Fall. Was wir erleben, ist ein schleichender Niedergang und das seit mehr als zehn Jahren. [...] Wir werden noch weiter absteigen, vielleicht solange ich lebe. Und ich sage Ihnen auch, warum: Niemand tut etwas, um aus der Misere herauszukommen. [...] seit 20 Jahren faselt Koizumi von Reformen. Was hat er in dieser Zeit getan? Gar nichts. Koizumi gibt vor, er würde gegen die Konservativen kämpfen. In Wahrheit ist er selbst ein Konservativer. [...] Der Mann weiß nicht, wovon er redet. Zum Beispiel will Koizumi die Post privatisieren. Das ist schon deshalb unmöglich, weil zu diesem riesigen Unternehmen die Postbank gehört. Die Sparer haben dort 372 Billionen Yen eingezahlt und das ganze Geld wurde für Flughäfen, Brücken oder Industrieparks ausgegeben. Diese Projekte sind so lausig, dass Rating Agenturen wie Moody's eine privatisierte Postbank auf dem untersten Rang der Kreditwürdigkeit einstufen würden. Die Folge wäre, dass die Bank 75 Prozent der Spareinlagen absichern müsste. Kein privates Unternehmen kann so viel Kapital aufbringen. Das meine ich, wenn ich sage, Koizumi hat nicht durchdacht, was Privatisierung bedeutet.”11 (* ungefähr 3100 Milliarden Euro)
“Seit unsere Wirtschaft zu Beginn der 90er Jahre in die Krise sackte, hat unsere Regierung versucht, sich bei jedermann beliebt zu machen und das geht am besten mit Geldgeschenken, mit Steuersenkungen und Konjunkturpaketen. [...] Die Steuersenkungen und Konjunkturprogramme wirken auf die Menschen wie ein Narkotikum. Die Regierung verpulvert das Geld unserer Kinder und die Menschen wähnen sich in Sicherheit.”11
Allerdings hat Ohmae auch aufmunternde Worte übrig: “Kein Land der Erde ist gemessen an den Ersparnissen der privaten Haushalte reicher als Japan. Insofern ist diese Nation kerngesund. Ist es eine Katastrophe, wenn die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt negative Wachstumsraten von 2 Prozent aufweist? In den 70er und 80er Jahren litten wir unter der Inflation, die Deflation ist jetzt ein Muss. Endlich sinken die Preise auf ein normales Niveau. [...] Japan hat seinen Höhepunkt überschritten. Das Japan der 70er und 80er Jahre, das ausländische Märkte erobert hat, gibt es nicht mehr. Mich erinnert die Situation an die Geschicke von Spanien und Portugal, die einst die führenden Nationen der Welt waren und dann jahrhundertelang abwärts trudelten.”11
Yuki Christian Oba (19) ist in Japan aufgewachsen und studiert zur Zeit in Bielefeld Psychologie. Er würde nie wieder nach Japan zurück wollen: “In den Urlaub schon, aber nicht als Arbeiter. Zu viele Jugendliche arbeiten nicht richtig sondern jobben nur und das bis 30, mit der Begründung einen perfekten Job finden zu wollen oder nur zu träumen. Japan ist liberaler geworden, aber die Disziplin verschwindet dadurch auch. Darunter leidet die Wirtschaft, aber andererseits wird die Psyche vor Stress gerettet. Ich bin nicht stolz auf die Wirtschaft in Japan. Menschen sind keine Roboter, aber sie werden so behandelt.”12

5. Quellenverzeichnis


Quellen:
1 Hans Günther Krauth, Tokio, Quelle: Bieler Tagblatt 27.5.2002
www.miprox.de/Sonstiges/Japan_gehts_gut.html (23.10.07 18:56)
2 Heinz Olaf Franken, Quelle: Pacific News 10 Januar/Februar 1998
www.pacific news.de/pn10/krisejpn.html (27.10.07 13:41)
3 www.das weisse pferd.com/98_14/japan.html (27.10.07 14:31)
4 www.wsws.org/de/1998/sep1998/japa s01.shtml (24.10.07 13:43)
5 www.japanlink.de/ll/ll_leute_obdachlose.shtml (23.10.07 19:10)
6 www.pressetext.de/pte.mc?pte=040724001 (23.10.07 18:44)
7Inazô Nitobe “Bushidô - Die sieben Tugenden des Samurai” ISBN 3-492-04662-2 (S. 94, 98, 103)
8 www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/8717/1.html 13.09.2000
www.miprox.de/Sonstiges/Japan_gehts_gut.html (23.10.07 18:56)
9 www.german consulate.or.jp/de/wirtschaft/nachrichten/Wi0302.pdf 25.03.02
www.miprox.de/Sonstiges/Japan_gehts_gut.html (23.10.07 18:56)
10 HANDELSBLATT, Mittwoch, 3. Januar 2007, 10:45 Uhr
www.handelsblatt.com/News/Politik/International/_pv/grid_id/1490975/_p/200051/_t/ft/_b/1199298/default.aspx/was wird aus japans reformen.html (24.10.07 14:04)
11 www.boerse.tyrol at.net/ohmae Inverview.htm
12 persönliches Gespräch mit Yuki Christian Oba

Abbildungsnachweise:
Wirtschaftswachstum in Japan: www.boerse.tyrol at.net/ohmae Inverview.htm
Staatsverschuldung: www.boerse.tyrol at.net/ohmae Inverview.htm
Arbeitslosenquote: www.fonds reporter.de/startnews.php?ida=569268&idc=21
Selbstmordstatistik: www.japanlink.de/ll/ll_leute_selbstmord.shtml
Harakiri: bgta.hollosite.com/blog/imatges/seppuku.jpg
Abe: www.handelsblatt.com/News/Politik/International/_pv/grid_id/1490975/_p/200051/_t/ft/_b/1199298/default.aspx/was wird aus japans reformen.html

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