Interpretation - Vor dem Gesetz



  • Titel: Interpretation - Vor dem Gesetz
  • Autor: Fiona
  • Beschreibung: Eine Deutung und Analyse von Franz Kafkas Parabel "Vor dem Gesetz". Die INterpretation ist gut aufgeteilt und ausführlich.
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Textinterpretation von Franz Kafkas „Vor dem Gesetz“ :

In der Parabel „Vor dem Gesetz“ beschreibt Kafka einen Mann, der Eintritt in das Gesetz verlangt; dieser wird ihm von dem ersten Türhüter verweigert. Der Mann jedoch bleibt hartnäckig, bietet Geschenke im Tausch an, fragt den Türhüter und erzählt von sich. Nach vielen Jahren, die man dem Mann anmerkt, beschließt der Türhüter die Tür zu schließen, „da der Mann schon an seinem Ende sei“.

Die Parabel ist in Einleitung (Z 1-14), Hauptteil (15 -30) und Schluss (31-45) zu gliedern.
In der Einleitung wird beschrieben, dass ein Mann vom Lande Eintritt in das Gesetz verlangt und jener von einem Türhüter, der ein unangenehmes Äußeres hat und sich selbst als mächtig beschreibt, bewacht wird. Er verweigert dem Mann den momentanen Zutritt, lässt ihn aber einen Blick in das Innere der Tür werfen und warnt ihn vor den noch kommenden Türhütern, falls er es wagen sollte, gegen seine Erlaubnis einzudringen.

Der Mann vom Lande beschließt auf das legale Eintreten zu warten.

In diesem Abschnitt treten die Figuren des Mann und des Türhüters in Erscheinung. Der Türhüter bezeichnet sich selbst als der unterste Türhüter, nach ihm folgen noch mächtigere, welche nicht einmal er erblicken möchte. Außerdem wird bei ihm, aus der Sichtweise des Mannes, auf den phänomenologischen Aspekt eingegangen: Er wird als Pelzmantelträger mit großer Nasen und Spitzbart charakterisiert. Wie sich im weiteren Text herausstellen wird, kann nur der Mann altern. Diese Tatsache lässt den Türhüter nicht menschlich erscheinen, allerdings lacht er, als der Mann probiert durch die Türe zu blicken.

Sein Auftreten und Verhalten wird durch den Erzähler beschrieben, sein Aussehen durch die Augen des Mannes geschildert.

Der Mann vom Lande erstrebt den Eintritt in das Gesetz und ist so neugierig, so dass er sogar durch die offene Gesetzestür lugt, um einen Blick zu erhaschen. Sein Aussehen wird nicht näher beschrieben, jedoch erfährt man, dass er davon überzeugt ist, dass das Gesetz jedem zugänglich sein müsse.

Bei näherer Betrachtung der Erzählsituation wird deutlich, dass der Türhüter noch vor dem Mann erwähnt wird; “Vor dem Gesetz steht ein Türhüter“ ist also eine unabhängige Tatsache.

Danach begeben sich beide Figuren in einen Dialog, dieser wird bei Mann im Konjunktiv und beim Türhüter in direkter Rede wiedergegeben.
Im Hauptteil, der die Zeitspanne zwischen dem Entschluss auf die Erlaubnis zu warten und dem Alt werden des Mannes beschreibt, wird das weitere Zusammenleben von Türhüter und Mann erzählt.

Besonders detailliert werden die Eintrittsversuche des Mannes geschildert, der bittet und wertvolle Gegenstände zur Bestechung anbietet. Dies bleibt nutzlos, da der Türhüter sich auf kleine Verhöre und das Annehmen der Geschenke, die ihn jedoch nicht dazu veranlassen die Tür zu öffnen, sondern nur das Gewissen des Mannes zu beruhigen, beschränkt.

Je älter der Mann wird, desto zorniger wird er über seine Situation. Er vergisst sogar die höheren Türhüter und wird so kindisch, dass er auch die Flöhe im Pelzkragen des Türhüters zur Hilfe bittet.

In diesem Abschnitt beschreibt der Erzähler die Entwicklung des Mannes zu einem Greis, der langsam den Verstand an seinem Elend verliert.

In diesem Abschnitt werden wieder nur die Worte des Türhüters direkt wiedergegeben. Die Sprache des Mannes verläuft sich bis zum Ende hin sogar zu einem Brummeln. Der Erzähler benutzt in diesem Abschnitt sehr lange und inhaltsstarke Sätze (Z17-20).Oft werden ganze Lebensspannen in nur einem Satz formuliert.
Im Schluss wird berichtet, dass der Mann sich unsicher wird, was die Schärfe seiner Augen angeht. Er nimmt nämlich einen Glanz an der Tür wahr – danach steht fest, dass er nicht mehr lange lebt. Er beschließt dem Türhüter eine letzte Frage zu stellen; er will wissen, warum, wenn alle nach dem Gesetz streben, bisher nur er nach dem Einlass verlangt hat.

Der Türhüter erkennt das Ende des Mannes und sagt, dass dies sein Eingang gewesen sei und er ihn jetzt schließen gehe.
In diesem Abschnitt wird das Lebensende des Mannes geschildert. Es bleibt jedoch unsicher, ob dieser durch das Schließen des Eingangs stirbt, oder das Tor auf Grund des baldigen Todes geschlossen wird.

Die Worte des Mannes werden das erste Mal in direkter Sprache genannt, zwischen dem Türhüter und dem Mann beginnt der letzte Dialog. Der Türhüter brüllt ihm später entgegen, da sein Gehör schlecht ist – mit dieser Aussage beendet er die Parabel.

Der Erzähler beschreibt besonders intensiv die Kontaktaufnahme zwischen Mann und Türhüter zum letzten Gespräch. Es wird besonders auf die Frage der Sinnhaftigkeit und der Existenz eingegangen.

Kafka wagt den „Mut zur Leerstelle“ und lässt zu Beginn den Leser im Unklaren, mit vielen offenen Fragen im Raum stehen.

In „Vor dem Gesetz“ werden wenig bis kaum sprachliche Stilmittel benutzt. Anstatt Metaphern zu verwenden, arbeitet Kafka mit sehr bildlichen Dialogen und eingängiger Sprache. Bemerkenswert finde ich die letzten 7 Zeilen, die bei mir Gänsehaut verursachen. Er hat es geschafft in einem „normalen“ Gespräch eine Gruselstimmung aufzubauen. Die letzten Worte des Türhüters sind keine Lyrik, aber so klar und bitterkalt, wie man es nicht hätte besser formulieren können.
Deutung
Bei der Interpretation erschien mir schnell die psychoanalytische und autobiographische Methode sinnvoll. Nach dem Lesen einer Biographie über Kafka fielen mir direkte Parallelen auf.
Bei „Vor dem Gesetz“ versucht ein Mann, sein Recht („und bittet um Eintritt in das Gesetz“ Z2, „das Gesetz soll doch jedem und immer zugänglich sein“ Z11) wahrzunehmen. Er scheitert jedoch an dem Türhüter, seinem Alter und an seinem Unverständnis und seinem Vertrauen in die Rechtmäßigkeit von dem ihn umgebenden Prozessen („entschließt er sich, doch lieber zu warten, bis er die Erlaubnis zum Eintritt bekommt“ Z14).
Meiner Meinung nach, steht sich dieser Mann selbst im Weg. Ihm ist es nicht möglich, einen klaren Blick für seine Situation zu erlangen und eigene Hindernisse (Steine im Weg) zu überwinden.

Kafka selbst war ein sehr zerissener Mensch. Einerseits strebte er nach einem erfüllten und normalen Familienleben, andererseits wollte er dem Schreiben sein Leben widmen. Dies war unvereinbar. Kafka war jedoch entschlossen, dies zu vereinbaren.

Der Mann vom Lande ist ebenso entschlossen, was sein Streben betrifft. Doch verharrt er vor der Tür, aus Angst vor dem Türhüter, aus Furcht vor denjenigen nach ihm und aus naivem Gerechtigkeitsglaube.
Die Figur des Türhüters interpretiere ich als Kafkas Vernunft, Verstand, sozusagen den „Kopf“. Er spiegelt das eine Streben Kafkas, nach Ordnung, Schreiben und Beruf wieder. Diese Figur ist tragisch, denn sie gewinnt am Ende und besiegt den Mann vom Lande, die Leidenschaft, „natürliches Leben“ und Entschlossenheit repräsentiert. Er ist der „Bauch. Dieser Kampf zwischen Verstand und Trieb ist schon in Texten verschiedener (griechischer) Philosophen zu finden, wie z.B. bei Kant (Pflicht) und bei Freud (Es, Ich, Über-Ich).
Dem Mann gelingt es nicht, trotz geöffneter Tür, den Weg zum Ziel zu wagen. Kafka nahm ebenso keine seiner Möglichkeiten wahr, ein geregeltes Leben zu führen (Verlobung/Entlobung Felice), weil er Angst hatte dadurch das Schreiben zu verlieren.

Der Türhüter selbst stellt sich als einen von vielen dar, er sei nur der erste und noch am wenigsten mächtigste.

Dies deute ich als Selbstreflexion Kafkas, der zwar erkannte, wo ihn seine Unentschlossenheit hinbringen würde, es aber nicht in Angriff nahm, den eigenen Ängsten entgegenzutreten, weil er schon bei der Überlegung scheiterte.
Auch die Aussage, dass das Gesetz für jeden zugänglich sein solle, zeigt Kafkas Sehnsucht und sein Glaube an ein geregeltes Leben. In diesem Fall ist es auch sinnvoll die geschichtliche Situation näher zu betrachten. In der Zeit Kafkas (Beginn des 20. Jahrhunderts) war es nicht üblich, aus seinem vorgegebenen Weg auszubrechen und einer Leidenschaft (hauptberuflich) nachzugehen. Anstatt Chemiker zu werden, wird er wie gewünscht Jurist, lernt etwas „Handfestes“ und arbeitet 20 Jahre bei einer Versicherung. Außerdem ist er der älteste und einzige Sohn von Hermann und Julie Kafka, was den Erwartungshorizont vergrößert.

Kafka denkt also sicher, dass auch ihm die Möglichkeit offen stehen muss, „normal“ zu leben, wenn er es nur genug will.
Auch im Ende der Geschichte erkenne ich Ähnlichkeiten.

Der Mann erkennt kurz vor seinem Tode einen Glanz in der Gesetzestür. Setzt man sich mit den letzten Lebensjahren Kafkas auseinander, bemerkt man, dass diese von Einsicht, Reflexion und Erkenntnis geprägt waren. Kafka schrieb „Der Brief an den Vater“ 1919 – dabei wirkt er, als hätte er begriffen, als sei ihm ein Licht aufgegangen, als habe er sein leben sortiert und es sei annehmbar für ihn geworden, sein Leben so gelebt zu haben. Diesen überlässt er Milena, der ersten ebenbürtigen Intellektuellen in seinem Leben. Bei ihr hätte er wohl die Möglichkeit gehabt, zu „leben“ und zu „schreiben“. Beide zerrieben sich jedoch am unterschiedlichen Temperament.
Besonders beeindruckend und traurig empfand ich das Ende; es ist niederschmetternd. Der Mann versteht nicht, warum er nie einem Gleichgesinnten beim Warten auf Erlaubnis begegnet ist und wird vom Türhüter darauf aufmerksam gemacht, dass dies seine Tür gewesen sei und er sie jetzt schließen würde.

Kafkas männliche Freunde, wie z.B. Max Brod. Er führte ein braves und angepasstes Leben. Brod hatte eine Frau, einen Beruf, der Ertrag brachte und den er mochte etc.

Der Türhüter, sein Verstand, merkt, dass es zu spät ist für Kafka zu fliehen. Er hat gewonnen, weil der Zwang nach Pflicht und Ordnung stärker waren.

Dem Mann, Kafka/Bauch, wird endlich klar, dass er das Zünglein an der Waage war und nur er hätte sein Dasein verändern können. An dieser Erkenntnis geht er zu Grunde.

Kafka kam auch zu jenem Punkt – er verstand, dass er besiegt worden war, von sich selber. Sein Schreiben hatte keine Zukunft. Seinen Freund Max Brod bat er um die Vernichtung seiner Manuskripte nach dem baldig bevorstehenden Tod.
Aus meiner Deutung geht hervor, wie ein Mensch, der an sich und seinen eigenen Ansprüche gescheitert ist, dies in einer Kurzparabel verarbeitet/festhält. Kafka hatte die höchsten Ansprüche an sich und musste letzten Endes doch einsehen, dass er ihnen nicht gewachsen war, weil er zu abhängig von äußeren Einflüssen und zu komplex für den menschlichen Geist war. Kafka scheiterte an seiner Sehnsucht, der er nie gerecht werden konnte.

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