Analytische Interpretation: Michael Kohlhaas (Heinrich von Kleist)



  • Titel: Analytische Interpretation: Michael Kohlhaas (Heinrich von Kleist)
  • Autor: Ein Philantrop
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Benoteter Hausaufsatz zum Thema.
Note: 11 Punkte. Feedback:
- Sprachanalyse fehlt (Keine Anführungszeichen, hypotaktischer Satzbau...)
- ungewöhnliche aber keine schlechte Einleitung
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Analytische Interpretation: Verhör Kohlhaas/Herse Michael Kohlhaas- (Heinrich von Kleist)
Das Fernsehprogramm quillt in neuerer Zeit vor lauter mehr oder weniger anspruchsvollen Krimi-, Ermittlungs- und Gerichtssendungen. Wenngleich diese fiktiven Sendungen weder den Anspruch noch haben, noch die Aufgabe erfüllen, die Realität möglichst genau abzubilden, so ließen die einfallsreichen Drehbuchautoren eine Absonderlichkeit bisher noch nicht in eine ihrer Filmgeschichten mit einfließen; nämlich ein direktes Verhör des Klägers, der zugleich Richter und Ermittler ist und einem Zeugen, der seiner selbst wiederum ebenfalls Geschädigter und auch Kläger ist.
Anders tat dies Michael Kohlhaas, ein rechts schaffender Zeitgenosse der Menschen im 16. Jahrhundert und Protagonist der gleichnamigen Erzählung, verfasst um 1805 von Heinrich von Kleist.
Kläger ist Kohlhaas, deshalb, weil er gegen eine Ungerechtigkeit klagen und Richter, weil er schließlich gegen sie vorgehen will. Durch ein Täuschungsmanöver konnte der Schlossvogt des Jungen Wenzel zu Tronka den Pferdehändler Kohlhaas dazu bringen, zwei seiner schwarzen „Rappen“ für einige Zeit bei der Tronkenburg zu hinterlassen.
Als Kohlhaas den Umstand, betreffend den wegen welchem er zum Hinterlassen der Rappen angehalten worden war, geklärt hatte und zu Tronkenburg zurück kehrte, musste er jedoch eine entsetzliche Entdeckung machen: Die zwei Rappen wurden mit dem Eintrieb der Ernte ausgebeutet und sind nunmehr zwei dürre Mähren; sein Knecht ist ebenfalls verschwunden, ihn hätte man aufgrund seines unangemessenen Verhaltens aus der Burg entfernen müssen.
Kohlhaas versucht die wahren Umstände ans Licht zu bringen und so für Recht zu sorgen, indem er eben diesen Knecht, Herse mit Namen, verhört. Dieses Gespräch (S.10-13) eignet sich sehr gut, um die Charakterzüge der beiden Personen herauszuarbeiten.

Sichtlich erregt und emotional stark involviert scheint Herse, denn „auf dessen blassem Gesicht“ zeigt sich „eine Röte fleckig“ (S.10 Z.5 f.). Nicht nur die Röte ist ein Beweis für Herses Nervosität, auch muss er „sich den Schweiß von der Stirn“ (S.10 Z.14) trocknen, er fühlt sich also eher sogar etwas unbehaglich, denn nur involviert, was sich bis zum Ende des Gesprächs nicht ändert, auch hier wird von einem Herse berichtet, der „mit dunkler Röte […] vor sich nieders(ieht)“ (S.12 Z. 30).
Trotz dieser unglücklichen Position ist auch Herse an einer Klärung des Sachverhalts buchstäblich redlich bemüht; dies wird durch die detaillierten und ausführlichen Antworten auf die Fragen des Kohlhaas deutlich. Durch seinen aktiven und trotz der Verteidigungsposition offensiven Stil, dominiert er rein vom Redeanteil her das Verhör doch deutlich. Dieser Anteil ist überwiegend sachlich gehalten -es wird deutlich, dass Herse als Unterstützer der Sache dienen will, und möglichst klare, präzise Angaben machen will.
Obwohl der Leser anfänglich Herse in einer etwas zurückhaltenderen Rolle findet, durch die emotionalen Signale scheint er fast sogar schüchtern, wird dennoch klar, dass Herse einen klaren, souveränen Standpunkt bezieht. So reagiert er auf die Unterstellung, er habe die Reaktion der Burgherren, ihn der Burg zu verweisen selbst provoziert, durchaus heftig, im ersten Moment etwas ungehalten: „Himmelschlag !“ (S.12 Z.32 f.) ruft er aus um aber, im nächsten Augenblick, seine Verneinung mit sachlicher Argumentation zu untermauern.
Es bleibt noch zu sagen, dass Herse trotz der schwierigen Situation stets um einen höflichen Umgang bemüht ist, was zum Beispiel durch die wiederholte Anrede Kohlhaas' mit „Herr“ (S.10 Z.7/14/24...) deutlich wird.

Nun läge es nahe zu vermuten, dass Kohlhaas' einzige Intention, im Hinblick auf die Doppelrolle von Klägers und Verhörführer, diejenige ist, Punkte für eine Anklage gegen den Junker Wenzel ausfindig zu machen, doch das ist tatsächlich zu kurz gedacht. Kohlhaas ist darum bemüht, die Geschehnisse in einem objektiven Prozess zu rekonstruieren, ohne sich dabei von äußeren Einflüssen, etwa dem persönlichen Verhältnis zu seinem Knecht Herse beeinflussen zu lassen. Zwar duzt Kohlhaas ihn (vgl. S.10 Z. 3ff.) und er redet seinen Knecht auch mit „Herse“ (S.10 Z.29/S.12 Z. 30) an, die Fragestellungen sind jedoch, gemäß Herses Antworten betont sachlich und neutral gehalten und jede persönliche Ebene ist ihnen entzogen.
Herse dominiert zwar vom Gesprächsanteil her, wie bereits angesprochen, das Verhör, gelenkt wird es durch die Fragen jedoch ganz klar von Kohlhaas, der auch keine Scheu zeigt, Herse zu korrigieren, in diesem Fall als es um die Handhabung der Pferde in der Vergangenheit geht, denn Herse habe „hierin nicht ganz die Wahrheit gesagt“ (S.10 Z.18 f.)
Persönliche Anteilnahme zeigt aber auch Kohlhaas deutlich: „betroffen“ (S.10 Z.11f.) stellt er seine scharfsinnig formulierten Fragen und die darauf folgenden Antworten lassen auch ihn „bleich im Gesicht“ (S.12 Z.28) werden.
Besondere Aufmerksamkeit zieht die eben zuletzt zitierte Textstelle auf sich. Kohlhaas verhält sich hier wie ein sog. Advocatus diaboli (= „Anwalt des Teufels“), der Herse unterstellt, er habe es auf die Flucht angelegt und sei froh darum gewesen, aus der Burg geflohen zu sein. Kohlhaas geht damit sogar das Risiko ein, Herse könnte seine Anklage nichtig werden lassen, in dem er die Schuld auf sich nimmt, doch auch hier bezichtigt Herse die Burgherren Unrecht begangen zu haben.

Abschließend lässt sich sagen, das Verhör verstärkt den Eindruck von einem Michael Kohlhaas, der stets um Gerechtigkeit bemüht ist und mit ganzem Einsatz für die Gerechtigkeit eintritt. Die Schuldzuweisung liegt nach dem Verhör objektiv beim Junker Wenzel von Tronka und die weitreichende Wirkung des Handelns der Burgherren lässt sich an der emotionalen Anteilnahme beider Gesprächspartner ablesen.
Die Textstelle ist von beachtlicher Bedeutung, da sie, nachdem der Schuldige nun zweifelsfrei identifiziert wurde, Kohlhaas als Basis quasi Rechtsgrundlage für sein weiteres Vorgehen dient.

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