Thränen des Vaterlandes Nr. 2



  • Titel: Thränen des Vaterlandes Nr. 2
  • Autor: anonym
  • Beschreibung: Eine Interpretation des Sonetts 'Thränen des Vaterlandes' von Gryphius. Hausaufgabenweb - kostenlose Hausaufgaben
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Interpretation:
Thränen des Vaterlandes Anno 1636”
(Andreas Gryphius)

Aufgabe: Ebenso wie bei Thränen des Vaterlandes 1

Das aus der Epoche des Barock stammende Sonett “Thränen des Vaterlandes Anno 1636” von Andreas Gryphius beschreibt mit Bildern der Zerstörung sehr detailliert die Vergänglichkeit (Vanitas) des Lebens, verursacht durch den 30-jährigen Krieg.


Obwohl die Überschrift nicht direkt wörtlich in dem Gedicht aufgegriffen wird, steht sie in einem engen Zusammenhang mit dem Inhalt des Sonetts, da es diesen mit einer scheinbar einfachen Wortgruppe (“Thränen des Vaterlandes”) zusammenfasst. Außerdem entsteht gleich anfangs durch die Verwendung des Wortes “Vaterland” eine gewisse Verbundenheit zwischen dem lyrischen Ich und dem Leser, da dadurch die Zugehörigkeit zu dem gleichen Land betont wird. Dies wird des Weiteren ebenfalls durch die anfängliche Verwendung des lyrischen Ichs im Plural (Z.1: “Wir…“) erreicht. Gryphius beschreibt mit sehr vielen bildlichen Beispielen die Auswirkungen des 30-jährigen Krieges, welcher von 1618 bis 1648 statt fand (Z.5: “Die Türme stehn in Glutt / die Kirch ist umgekehret”). Durch den Einsatz von einer Klimax gleich zu Beginn des Gedichtes (Z.1: “wir sind doch nunmehr ganz / ja mehr denn ganz verheeret!”) wird eine noch dramatischere Vorstellung der damaligen Lage beim Leser hervorgerufen. Ferner führt der Einbau von weiteren verschiedenen Stilmitteln zur Betonung der einzelnen Worte und Sachverhalte. So benutzt Gryphius für sein Sonett zum Beispiel mehrere Trikolons (Z.8: “Ist Feuer / Pest und Tod”; Z.13: “…die Pest / und Glutt und Hungersnoth“). Der letztgenannte Ausdruck, bestehend aus drei Gliedern, stellt zudem ein “pars pro toto” dar, da alle drei Wörter auf den Tod hinauslaufen. Der davor genannte Trikolon ist gleichzeitig eine Klimax, was die Wirkung erzielt, dass beim Leser der Eindruck gewonnen wird, dass sich die Lage der Menschen immer mehr verschlechtert. Durch Personifikationen (Z.2: “…die rasende Posaun”) gelingt es Gryphius, sein Gedicht noch lebhafter zu gestalten. Überdies verwendet der Dichter in seinem Werk äußerst viele Parallelismen (Z.5: “Die Türme stehn in Glutt / die Kirch ist umgekehret.”). Durch dieses Stilmittel, das eine immer wiederkehrende Satzstellung nach sich zieht, wird dem Leser verdeutlicht, dass es in allen Bereichen, sei es bei den Kirchen oder sei es bei Jungfern, genauso schrecklich zuging und so gut wie kein Gebäude und keine Bevölkerungsschicht verschont blieb. Parallelismen sind sehr charakteristisch für ein Sonett. Auch das Einsetzen von Antithetik ist ein Merkmal für diese spezielle Gedichtsform. Dieses Stilmittel ließ auch Gryphius in diesem Sonett nicht aus (Z.7: “Die Jungfern sind geschänd’t…”). Gryphius’ Gedicht besteht, wie die meisten Sonette, aus vier Strophen, wovon die ersten zwei Quartette und die darauf folgenden beiden Terzette sind. Dabei beinhaltet das letzte Terzett eine Art Pointe, denn in den ersten drei Strophen beschreibt das lyrische Ich jegliche Art der Zerstörung im materiellen Sinne, doch in der letzten Strophe geht es zu einer anderen Vernichtung hinüber. Hier sagt es, dass durch den Krieg vielen Menschen ebenfalls der Glaube genommen wurde (Z.14: “Das auch der Seelen Schatz / so vielen abgezwungen.”). Die Thematik des Glaubens und der damit verbundenen Religion wird in der Zeit des Barock sehr häufig aufgegriffen. Dem zu Grunde liegt hauptsächlich der 30-jährige Krieg, der enorme Auswirkungen, wie unter anderem Krankheit, Elend und Hunger, auf das Leben der damaligen Menschen hatte. Jener Krieg war ursprünglich ein Glaubenskrieg zwischen Protestanten und Katholiken, doch wie die meisten Kriege mutierte auch dieser zu einen Kampf um Macht.
Beide Quartette liegen in umarmenden Reimen vor. Die Terzette beinhalten einen Paarreim und anschließend wieder einen verschränkten Reim. Das Reimschema ist hierbei nicht strophenintern zu sehen, sondern muss terzettübergreifend betrachtet werden. Wie für ein Sonett üblich ist auch Gryphius’ Gedicht mit dem jambischen Alexandriner als Metrum ausgestattet. Dabei befindet sich jeweils nach der dritten Hebung eines einzelnen Verses eine Zäsur. Mehrerer männlichen Kadenzen, die vor allem mit Diphtongen enden (Z.3: “…Carthaun”; Z.7: “…zerhaun”), lassen eine noch düstere Stimmung aufkommen.


Insgesamt enthält dieses Gedicht von Andreas Gryphius die wichtigsten charakteristischen Merkmale der Sonettform. Zusätzlich kann es als ein für die Epoche des Barock äußerst typisches Gedicht betrachtet werden, da es sich ausschließlich mit der Thematik der damaligen Zeit beschäftigt, wobei zudem der Vanitasgedanke, eines der vorherrschenden Motive des Barock, sehr gut verarbeitet wird. Gryphius gelingt es außerordentlich gut, mit vielen Bildern zu arbeiten, um dem Leser die Zeit des 30-jährigen Krieges und die damit verbundenen unzähligen Zerstörungen vorstellbar zu beschreiben.
Werke wie “Thränen des Vaterlandes Anno 1636” sind unheimlich wichtig, um die Vergangenheit richtig zu verarbeiten, denn sie können meiner Ansicht nach besser sogar als Geschichtsbücher die schrecklichen Verhältnisse der Vergangenheit aufbewahren und folgenden Generationen erzählen.

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