Analyse der Kurzgeschichte "Neapel sehen"



  • Titel: Analyse der Kurzgeschichte "Neapel sehen"
  • Autor: Camilla
  • Beschreibung: In der Kurzgeschichte "Neapel sehen" geht es um einen Mann, dessen Lebensinhalt nur aus seiner Arbeit besteht.
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Neapel sehen

In der Kurzgeschichte „Neapel sehen“, welche 1960 von Kurt Marti verfasst wurde, geht es um einen Mann, dessen Lebensinhalt nur aus seiner Arbeit besteht. Er beginnt, die Arbeit in der Fabrik und alles was damit zu tun hat, zu hassen. Deswegen baut er in seinem Garten eine Bretterwand, die ihm die Aussicht auf die Fabrik versperren soll. Doch plötzlich wird er wegen der langen, harten Arbeit und dem damit verbundenen Stress krank. Er muss ständig auf die Bretterwand schauen und beauftragt schlussendlich seinen Nachbarn damit, immer mehr Bretter aus der Wand zu nehmen. Als die Wand schließlich ganz entfernt ist, kann er zu seiner Freude das ganze Fabrikgelände sehen und stirbt nach wenigen Tagen.
„Neapel sehen“ wird aus der Sichtweise eines neutralen Er- Erzählers geschildert und ist einerseits im zeitdeckenden- und andererseits im zeitraffenden Tempo geschrieben. „Bald kannst du wieder hinaus, sagte die Frau, es steht alles in Blust.“. Bei dieser Textstelle beträgt die erzählte Zeit genauso lange, wie man für das Lesen dieser Zeile braucht. „Er starb nach einigen Tagen.“. Hier jedoch wird die Zeitspanne von einigen Tagen beschrieben, obwohl man in kurzer Zeit diese Stelle gelesen hat. Weiters wird der Protagonist mit Sätzen wie „Er hasste seine Arbeit.“ direkt beschrieben. Diese Geschichte hat einen plötzlichen Einstieg, welcher darauf schließen lässt, dass dies eine typische Kurzgeschichte ist. „Er hatte eine Bretterwand gebaut.“ Ohne Einleitung wird gleich mit dem Erzählen der Geschichte begonnen. Weiters zeigt der eben genannte Satz eine sehr markante Eigenheit dieser Textsorte, denn er beginnt mit einem Personalpronomen. „Neapel sehen“ stellt einen speziellen Ausschnitt aus dem Leben einer alltäglichen Person dar. Der Fabrikarbeiter hetzt, wie so viele andere Menschen auch, nur mehr nach Akkordprämien und wird schlussendlich auf Grund seiner Arbeit krank. Die meisten Kurzgeschichten beschränken sich nur auf unbedingt nötige Angaben von Raum und Zeit. Hier werden nie genauere Angaben zum Thema Ort und Zeit gemacht, man weiß weder das Jahr, in dem diese Handlung spielt, noch in welchem Ort oder Land der Mann wohnt. Ein weiteres Merkmal ist, dass nur wenige wichtige und handelnde Personen vorkommen. „Neapel sehen“ hat nur zwei zentrale Persönlichkeiten, den Fabrikarbeiter und seine Frau. Autoren der Kurzgeschichten setzen auf eine einfache Sprache und verwenden in simplen Satzkonstruktionen das Stilmittel der Wiederholung. „Er hasste die Fabrik. Er hasste seine Arbeit in der Fabrik. Er hasste die Maschine, an der er arbeitete.“ Die unerwartete Wendung der Geschichte kommt erst gegen Ende. Zuerst hasste er seine Arbeit und sehnte sich nur nach Ruhe. Dieser tiefe innerliche Hass entstand aus der immer gleichen Arbeit ohne Abwechslung. Doch dann, als er krank im Bett liegt, wünscht er sich seinen Arbeitsplatz, der ihn einst in Aufregung versetzte, zu sehen. Erst als dies geschieht, „entspannte ein Lächeln die Züge des Kranken.“ Diese Kurzgeschichte lässt, wie viele andere auch, die angesprochenen Probleme „im Raum stehen“ und regt somit die Leserinnen und Leser zum Nachdenken an.
Mit dieser Kurzgeschichte will meiner Meinung nach der Autor auf das Problem der „Sucht nach Arbeit“ auf Grund des Akkordsystems, aufmerksam machen. In allen Industrienationen der Welt gilt nach wie vor die gleiche Regel: Wer mehr Geld haben will muss dafür auch mehr arbeiten. Dieser Grundsatz wird schnell für viele Menschen zu einer Art Startschuss für eine Hetzjagd nach höherem Einkommen. Nachdem die Gesellschaft einem schon früh vermittelt, dass nur diejenigen Menschen im Leben Erfolg haben, die viel Geld verdienen, wird immer mehr gearbeitet um den Betrag des Gehaltsscheck zu erhöhen. Man strebt immer eifriger nach zusätzlichen Akkordprämien und dem damit verbundenen höheren Lebensstandard um der Gesellschaft zeigen zu können, dass man „es zu etwas gebracht hat.“ Und schnell rutscht man in eine Abhängigkeit immer mehr zu arbeiten, damit man mehr verdient. Die Reaktionen des Körpers und der Seele bleiben auch natürlich nicht lange aus, denn man kann einfach nicht mehr aufhören in dem Ausmaß zu arbeiten. Die Seele leidet längst unter der Sucht, man hält den Stress und den Druck nicht mehr aus und erkrankt letztendlich auch körperlich.
Kurt Marti hat meines Erachtens nach mit dieser Kurzgeschichte ein allgegenwärtiges wichtiges Thema angesprochen. Menschen die ihre Arbeit zu ihrem einzigen Lebensinhalt gemacht haben. Man könnte „Neapel sehen“ auch als eine Art Warnung an die maßlos nach mehr Geld Strebenden betrachten. Man kann schnell nach etwas süchtig werden, aber nur schwer davon loskommen.

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