Nathan der Weise - Interpretation der Schlussszene



  • Titel: Nathan der Weise - Interpretation der Schlussszene
  • Autor: anonym
  • Beschreibung: Eine Interpretation der Schlussszene von Nathan der Weise. Am Ende wird die vorliegende Schlussszene mit der von Emilia Galotti verglichen.
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G.E. Lessing: "Nathan der Weise"
Die Schlussszene

Aufgabe:
dieselbe wie bei Nathan Interpretation 1 und 2

Außerdem sei auch auf folgende INterpretation der Ringparabel verwiesen:
http://hausaufgabenscout.de/interpretation-der-ringparabel-nathan-der-weise/

Die Schlussszene von Gotthold Ephraim Lessings "Nathan der Weise" dient zum Auflösen des Konflikts des Dramas durch einen Bund der drei großen Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam.


Der Auszug der vorliegenden Szene beginnt damit, dass Nathan den Sultan Saladin und Sittah auffordert, innezuhalten, weil die beiden vorher in der Szene beschlossen hatten, den Tempelherrn und Nathans Ziehtochter Recha zu einen. Nathan gibt jedoch zu bedenken, dass noch eine andere Person bezüglich einer Hochzeit zu befragen sei. Er meint damit Rechas bis dahin unbekannten Bruder. Das Erstaunen der anderen in dieser Szene handelnden Personen wird durch eine Vielzahl aneinander gereihter Fragen ausgedrückt. Nathan geht jedoch auf keine dieser Fragen ein, sondern fordert seine Gesprächspartner zu Geduld auf und geht nach einem bitteren Kommentar des Tempelherrn, welches gegen Nathan gerichtet gewesen war, zu einem völlig neuen Thema über, eingeleitet durch eine freundschaftliche Antwort an den Tempelherrn. Dabei betont er absichtlich ein Wort besonders, was auch sofort dem Tempelherrn auffällt und dieser Nathan unterbricht und nachfragt. Nathan behauptet darauf, dass der Tempelherr nicht Curd von Stauffen hieße, sondern eigentlich den Namen Leu von Filnek trage. Nachdem der Tempelherr seine Ungläubigkeit darüber hauptsächlich durch kurze Fragen ausgedrückt hat, erläutert Nathan genauer, wie es zu der falschen Namensgebung gekommen sei. Weiterhin berichtet er, dass er sogar den wahren Vater des Tempelherrn gekannt habe. Hierbei fällt der Tempelherr Nathan nur durch knappe Einwürfe ins Wort.
Erst als Nathan nun beide Aspekte - Rechas Bruder und der eigentlich Name des Tempelherrn - verbindet, indem er behauptet, der Tempelherr sei Rechas Bruder, schalten sich auch wieder die anderen Charaktere mit in das Gespräch ein. Der Überraschung, der wiederum durch kurz aufeinander folgender Fragen Ausdruck verliehen wird, folgt Zögern und Unschlüssigkeit. Diese gehen schließlich jedoch in Freude besonders von Recha und dem Tempelherrn über. Nathan nennt darauf seine Tochter bei ihrem ursprünglichen, christlichen Namen, der Blanda von Filnek lautet. Der Tempelherr fasst dies als einen Verstoß auf. Aber Nathan scheint mit dem Aussprechen von Rechas wahren Namen etwas anderes aussagen zu wollen, da er nun dem Tempelherrn anbietet, diesen als seinen Sohn anzusehen, da er schließlich der Bruder seiner Tochter ist. Daraufhin sprechen Saladin und Nathan alleine, denn der Sultan möchte Nathan über den Vater des eben vereinten Geschwisterpaars ausfragen. Nathan berichtet ihm, dass Wolf von Filnek kein Deutscher gewesen sei und er am liebsten Persisch gesprochen hätte. Saladin schließt daraus, das Wolf von Filnek in Wahrheit sein Bruder Assad gewesen sei. Als Nathan ihm daraufhin ein Buch von Assad gibt, erkennt der Sultan sofort die Handschrift seines Bruders wieder und ist sich seiner Vermutung, dass von Filnek eigentlich Assad sei, nun vollkommen sicher. Demzufolge ist der Tempelherr sein Neffe und Recha seine Nichte. Das Drama endet, indem Saladin sein eben erlangtes Wissen über seinen Bruder und dessen Kinder verkündet und sich alle aus Freude umarmen.
Insgesamt kann man über den kommunikativen Ablauf der Schlussszene sagen, dass Nathan eindeutig den sprachlichen Hauptanteil besitzt, da er an fast jedem kleinem "Untergespräch" beteiligt ist. So redet er entweder nur mit dem Tempelherrn, nur mit Saladin oder mit allen in dieser Szene Anwesenden. Da Nathan das Gespräch quasi in die von ihm vorgesehen Richtungen lenkt, führt er dieses sozusagen an. Diese Fähigkeit stellt gleichzeitig ein charakteristisches Merkmal seiner Person dar, denn Nathan versucht durch seine geschickte Redeweise, seine Gesprächspartner von ihrer Aufregung oder Empörung abzulenken, indem er vorerst völlig willkürlich auserwählt erscheinende neue Themenbereiche anspricht, die erst später ihre Verbindung zum ursprünglichen Thema finden. Nathan beweist dadurch, dass er eine hervorragende Weitsicht besitzt, wodurch der Leser den Eindruck gewinnen könnte, dass Nathan das Gespräch im Voraus geplant habe. Des Weiteren zeichnet sich Nathan durch eine erstaunliche Geduld aus. In der Schlussszene verlangt er mit Sicherheit danach, seiner Tochter endlich ihre Verwandtschaft mit dem Tempelherrn preiszugeben, dennoch wartet er eine Weile ab, bevor er dieses offenbart. Nathan ist Jude und lebt in einer Zeit, in der ein großer Konflikt zwischen den drei großen Weltreligionen Christentum, Islam und Judentum herrscht. Trotz dieser Uneinigkeit und dem damit verbundenem Streit zwischen Anhängern dieser verschiedenen Religionen, zeigt Nathan eine große Toleranz anderen Glaubendrichtungen gegenüber, was sehr ungewöhnlich für die damalige Zeit ist. So hat er zum Beispiel ein als Christ geborenes Mädchen - Recha - als seine Zeihtochter aufgenommen und in der Schlussszene ist deutlich zu erkenne, dass er auch anderen Leuten durchaus freundlich gegenüber tritt. Dem Tempelherrn verzeiht er zu Beispiel, dass er reizende, vielleicht sogar provozierende Kommentare gegen ihn richtet (Z.3750 + 2). Nathan geht sogar noch weiter, indem er für diese Verständnis zeigt und mit Ruhe auf sie reagiert. Dadurch, dass er seine Tochter bei ihrem richtigen, christlichen Namen nennt (Z.3805 + 2f), zeigt Nathan, dass er bereit ist, sie loszulassen. So ist diese Tat vermutlich nicht als ein Verstoß seiner Tochter aufzufassen, wie es der Tempelherr zuerst denkt, sondern Nathan gibt damit seine Ziehtochter sozusagen frei. Es lässt sie folglich ihre eigenen Wege gehen.
Genau hier liegt wahrscheinlich der größte Unterschied zu dem Ende des Dramas "Emilia Galotti", welches ebenfalls von Lessing verfasst worden ist. Dieses Stück endet als Tragödie, da der Vater von Emilia Galotti, Odoardo Galotti, seine Tochter ihrem Wunsche nach tötet, da er keinesfalls zulassen möchte, dass der Prinz sie unehelich verführt und sie damit ihrer Ehre beraubt.

Es stehen also zum Teil in den Schlussszenen beider Dramen eine Vater-Tochter-Beziehung im Vordergrund. In "Nathan der Weise" gibt Nathan seine Tochter frei, indem er ihren früheren Namen ausspricht, sie aber trotzdem noch als ihre Tochter anerkennt, wie in seiner nächsten Passage herauskommt (Z.3810 + 2ff). Odoardo hat zwar auch den Gedanken der Freiheit seiner Tochter im Hintergrund, versucht diese jedoch mit dem Beenden von Emilias Lebens erzielen. Auch wenn Odoardo und Emilia selbst hierbei als einen von mehreren Gründen dieser Tat die Religion und das damit verbundene Leben nach dem Tod ansprechen, handelt es sich bei "Emilia Galotti" keineswegs um ein religiöses Drama, sondern die Intention des Werkes liegt in der Kritisierung des Bürgertums, dass sich Lessing nach viel zu sehr vom Adel unterdrücken lässt. Darauf aufbauend versucht Lessing gerade durch das Ende des Dramas das Bürgertum zu provozieren, sich aktiv gegen den Adel zu wehren. "Nathan der Weise" hingegen ist eindeutig ein Drama mit religiösem Hintergrund. Lessing spricht hier die Uneinigkeit der drei Weltreligionen an. Er lässt das Drama mit einem Bund dieser Religionen enden, indem er den Hauptcharakter Nathan, ein jüdischer Kaufmann, der in einem vom Islam geprägten Land lebt und dort mit Muslimen, wie zum Beispiel mit dem Sultan Saladin, Kontakte pflegt, seine Ziehtochter und deren Bruder, die beide teils christlicher und teils muslimischer Abstammung sind, auch als seine Kinder anerkennen lässt, wenn sich diese wieder ihres christlichen Glaubens bekennen. Insgesamt besitzt das Werk "Nathan der Weise" folglich ein gutes Ende, was besonders durch die Freude der Hauptcharaktere am Schluss deutlich wird.
Das Ende von "Emilia Galotti" hingegen ist weder gut, noch wirklich schlecht. Zum einen ist Emilia von der Angst vor der Verführung durch den Prinzen befreit, zum anderen jedoch muss sie dafür mit ihrem Leben bezahlen.
Auch wenn sich beide Dramen in Inhalt und Intention deutlich unterscheiden, haben sie dennoch die eine wichtige Gemeinsamkeit, dass beide eine Vater-Tochter-Beziehung beleuchten, in denen jeweils der Vater sehr um das Wohl seiner Tochter besorgt ist und in beiden Fällen versucht, sie zu schützten oder in ihr Glück zu führen, auch wenn das für ihn selbst bedeutet, ein großes Opfer zu bringen.

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