Maria Stuart- Szenenanalyse 3.Akt 4.Auftritt



  • Titel: Maria Stuart- Szenenanalyse 3.Akt 4.Auftritt
  • Autor: anonym
  • Beschreibung: Szenenanalyse zu einer Szene aus Schillers Werk Maria Stuart.
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Szenenanalyse

Die Szene aus Schillers Trauerspiel „Maria Stuart“ (3. Aufzug, 4. Auftritt), erstmals aufgeführt im Jahre 1800, erzählt das Zusammentreffen von Elisabeth, der Königin von England, und Maria, der Königin von Schottland. Maria befindet sich seit siebzehn Jahren in Elisabeths Gefangenschaft, und möchte durch dieses Treffen ihre Freilassung erringen. Zudem erscheinen in der Szene noch zwei Berater Elisabeths, die Grafen von Leicester und Shrewsbury.

Den Beginn der Begegnung dominiert Elisabeth. Sie spricht nicht direkt zu Maria, sondern unterhält sich mit ihren Beratern. Elisabeth gibt vor, Maria nicht zu erkennen und auch sonst nicht an ein absichtliches Treffen gedacht zu haben. Es wird jedoch deutlich, dass sie sich der Anwesenheit Marias bewusst ist, da die Regieanweisung lautet: „Sie fixiert mit den Augen die Maria, indem sie zu Paulet weiterspricht“(V.2225). Elisabeth fragt nach dem Namen des Ortes und nach Marias Namen, obwohl ihr beides bekannt ist. „Allgemeines Schweigen“(V.2232) tritt ein, und nachdem Elisabeth nun auch noch Empörung vorgibt („stellt sich überrascht und erstaunt“, V.2234), findet ein Wendepunkt statt.


Sie gibt nun ihre Maskerade auf, und wendet sich zum ersten Mal direkt an ihre Gefangene. Maria fleht Elisabeth um Gnade an, fällt vor ihr in die Knie, und gibt sich unterwürfig („Ich will vergessen, wer ich bin […] ich will mich vor ihr niederwerfen“, V.2246-2247).
Dass sich die Aufrichtigkeit dieses Verhaltens anzweifeln lässt, zeigt sich in der vorherigen Regieanweisung, denn Marias Gestik drückt „den heftigsten Kampf aus“(V.2243).
Zudem wendet sich die Stimmung erneut, denn nicht nur Maria spricht nun emotionaler, wütender, „mit steigendem Affekt“(V.2261). Maria fleht, droht und dominiert das Gespräch, während Elisabeth ihre Bitten wiederholt abweist. Noch immer scheint sie eine Rolle zu spielen, und sagt von sich, dass sie eine „fromme Pflicht“(V.2282) erfüllt.
Ein neue Phase beginnt, als jetzt auch Elisabeth die Hüllen fallen lässt und Maria direkt und mit harten Worten angreift („Gewalt ist nur die einz’ge Sicherheit, Kein Bündnis ist mit dem Gezücht der Schlangen“, V. 2361) Sie übernimmt wieder die Führung des Gesprächs, sodass Maria letztendlich den Höhepunkt ihrer Unterwürfigkeit erreicht, jeden Anspruch auf den Thron aufgibt (V.2380) und von Elisabeth verlangt, ihrer Demütigung ein Ende zu setzten („-Jetzt macht ein Ende, Schwester“, V. 2386).
Elisabeth greift stattdessen Maria auch noch auf persönlicher Ebene an, sie verhöhnt Marias Beziehungen zu Männern und ihr damaliges Verhalten („Es kostet nichts, die allgemeine Schönheit zu sein, als die gemeine sein für alle!“, V. 2418) und nähert sich dadurch dem Höhepunkt des Gesprächs.
Im letzten und dramatischsten Abschnitt ist jedwede Demut Marias verschwunden. Sie ist „vor Zorn glühend“ und zeigt Elisabeth ihre wahren Gefühle. Elisabeths Mutter und ihre Anständigkeit werden angegriffen („Nicht Ehrbarkeit habt ihr von eurer Mutter Geerbt“, V.2430), Maria wird als „außer sich“(V.2443) beschrieben, und die Regieanweisung gibt die „heftigste Unruhe“(V.2444) an. Maria hat das letzte Wort, und besteht darin wieder auf ihr Recht zur Königin. Schließlich flieht Elisabeth von der Szene.

Elisabeths Intentionen zeigen sich schon zu Anfang des Treffens. Sie versucht ihre Stellung als Königin zu rechtfertigen, indem sie vor Maria mit der Liebe ihres Volkes (V.2228) prahlt. Ihre Rechtfertigung wird auch in ihren Bezügen zu Gott deutlich („Abgöttisch sind die Zeichen seiner Freude, So ehrt man einen Gott[…]“, V.2231).
Ihre rhetorische Frage „Wer ist die Lady?“ (V.2233) verstärkt die Erniedrigung Marias, denn die Antwort ist offensichtlich, und so wird nur die Unbedeutendheit Marias hervorgehoben. Auch die rhetorische Frage „Wer hat mir das getan?“ erübrigt eine Antwort und erhöht den Eindruck, dass Elisabeth sich durch Maria „belästigt“ fühlt.
Das Bild, dass zuerst von Maria gewonnen wird, stammt zunächst aus den Regieanweisungen, da sie als „halb ohnmächtig“(V. 2231) beschrieben wird. Ihre Bereitwilligkeit und ihr Entgegenkommen, dass sie Elisabeth zeigen möchte, werden in der Anapher „Ich will mich auch noch diesem unterwerfen […] Ich will vergessen, wer ich bin und was Ich litt, ich will vor ihr mich niederwerfen“ durch die ständige Wiederholung der Worte „Ich will“ betont.
Sie zeigt auch, das sie Elisabeth als rechtmäßige Königin akzeptiert, und wieder wird dies durch ihre Referenzen zu Gott unterstützt: „Der Himmel hat für euch entschieden […] Die Gottheit bet ich an, die euch erhöhte!“(V.2250-2252). Elisabeth benutzt Gott um sich dadurch zu erhöhen („und dankend preis ich meines Gottes Gnade […]“, V.2258), und als Antwort darauf wird Gott von Maria als Betonung ihrer Drohung benutzt („Es leben Götter, die den Hochmut rächen!“, V. 2261). Auch Marias Verzweiflung nach Elisabeths erster Ablehnung zeigt sich in ihren Ausrufen und beten zu Gott: „-Oh Gott im Himmel!“(V.2268).
Die Dringlichkeit ihrer Bitte kommt auch in zahlreichen Aufzählungen zum Vorschein („Verehret, fürchtet sie […] entweihet, schändet nicht“, V.2264-2267). Dieses Beispiel wird auch insbesondere durch die Klimax hervorgehoben, da vom schwächeren zum stärkeren Ausdruck übergegangen wird.
Maria zeigt ihr Bild Elisabeths durch einen Vergleich („Steh nicht da, schroff und unzugänglich, wie Die Felsklippe, die der Strandende Vergeblich ringend zu erfassen strebt.“, V.2269-2271) und veranschaulicht dadurch Elisabeths Einstellung und zugleich die momentane Situation- ihre Bitten sind „Vergeblich“. Ihre vielen Aufforderungen an Elisabeth („verehret“, „fürchtet“, „ehrt“, „entweihet nicht“, „steht nicht da“ usw.) lassen jedoch darauf schließen, dass Maria noch einen gewissen Stolz besitzt.
Die gefühlskalte Darstellung Elisabeths wird auch betont durch den „Eisesblick“(V.2275).
Die Steigerung in Marias Emotionen ist nicht nur durch ihren Redeanteil, sondern auch durch ihren hypotaktischen Satzbau (z.B. der Satz „2295-2301“) zu sehen. Diese verschachtelten, langen Sätze vermitteln ein Bild des inneren Aufruhrs und der Unruhe.
Ebenso wird ihre Sprache bildvoller. Sie benutzt eine Personifizierung: „Ein böser Geist stieg aus dem Abgrund auf, Den Hass in unsren Herzen zu entzünden[…]“, (V.2309-2311). Dadurch wird der Eindruck gewonnen, dass „jemand anderes“ Schuld an diesem Unglück trüge, und eine direkte Beschuldigung Elisabeths wird vermieden. Auch die Metapher „[…]fachten Der unglücksel’gen Flamme Atem zu“(V. 2313) verstärkt dieses Bild, da das Feuer kaum kontrollierbar ist.
Marias Versuche, mitfühlende Reaktionen in Elisabeth zu erzeugen, kann man auch an den häufigen „familiären“ Ausdrücken erkennen. Wörter wie „Schwester“(z.B. V.2321) und Anspielungen auf ihre Verwandtschaft („Das Blut der Tudor, das in meinen Adern wie in den Euren fließt“, V. 2267-2268) vermitteln den Eindruck, dass sie ihre Nähe zu Elisabeth betonen möchte.
Durch rhetorische Fragen wie „Mit welchem Schloss verwahr ich eure Treue“(V.2360) wird hingegen klar, dass Elisabeth voller Misstrauen ist, denn die Antwort ist für sie eindeutig negativ. „Kein Bündnis mit dem Gezücht der Schlangen“(V.2362), unterstützt den Eindruck, da die Schlange als Symbol für Falschheit und List gilt.
Elisabeths Gründe für ihr Verhalten werden vermutlich klarer, als sie Maria vorwirft, die Leute ihres Königreiches zu verführen. Das Symbol „Dass alles sich der neu aufgehnden Sonne zuwendet“(V.2378) betont Marias Rolle als Neuanfang, ein neuer Tag, und damit auch Elisabeths Ängste, dass genau das eintreten könnte.
Je länger Maria bittet, desto offensichtlicher wird auch ihre Verzweiflung. Mit der Metapher „habt mich zerstört in meiner Blüte“(V.2385) veranschaulicht sie ihre (vermeintliche?) Schwäche. Direkte Drohungen und Ausrufe wie „Weh Euch, wenn ihr mit diesem Wort nicht endet!“ (V.2398) weisen darauf hin, dass ihre Wut hervorkommt.
Elisabeths ärgste Beleidigungen werden noch durch viele einander folgende rhetorische Fragen verstärkt (V.2403-2407), die Elisabeth dann auch zugleich mit „-Ja, es ist aus.“(V. 2407) bestätigt. Damit wird Marias Ausweglosigkeit hervorgehoben.
Dass Maria von diesen Beleidigung zutiefst getroffen ist, wird in ihren Wiederholungen und Ausrufen klar. „Schwester! Schwester! Oh Gott! Gott!“(V.2412-2413) unterstreicht ihre Erregung.
Marias Wutausbruch wird verstärkt durch Personifikationen wie z.B. „Fahr hin, lammherzige Gelassenheit, Zum Himmel fliehe, leidende Geduld […]tritt hervor, Aus deiner Höhle lang verhaltner Groll“(V.2437, 2438) Durch die Vermenschlichung dieser Begriffe wir ihnen mehr Bedeutung zugesprochen. Die Anstrengung, die Maria hat erleiden müssen, um geduldig und gelassen zu bleiben, wird so verdeutlicht.

Letztendlich hat Maria ihre anfängliche Absicht nicht erreicht. Von Anfang an ließ sich in Elisabeths Haltung kein Hinweis auf Mitgefühl finden, sodass Maria möglicherweise schon dann auf verlorenem Posten stand. Spätestens, als beide sich gegenseitig verspotten und angreifen, lässt sich kein guter Ausgang des Gesprächs mehr erhoffen. Elisabeth schafft es zwar teilweise, Maria zu verletzten, doch da diese das letzte Wort hat und sie letztendlich sprachlos bleibt, ist auch für sie das Gespräch nicht erfolgreich. Maria erreicht zumindest eine Demütigung der Elisabeth, die ihr möglicherweise kurzzeitig Genugtuung bereitet, doch ihre Situation verschlimmert sich dadurch nur.
Falls die Beziehung der beiden zu Beginn des Treffens noch nicht ganz klar war, so sind jetzt die Fronten offensichtlich, und es ist anzuzweifeln, ob sie sich irgendwann im Verlauf des Stücks wieder einander annähern.

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