Interpretation: Wolfgang Borchert „Die Kirschen“



  • Titel: Interpretation: Wolfgang Borchert „Die Kirschen“
  • Autor: Lea
  • Beschreibung: Eine gelungene Interpretation der Kurzgeschichte von Wolfgang Borchert „Die Kirschen“
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Interpretation einer Kurzgeschichte Wolfgang Borchert „Die Kirschen“

In der Kurzgeschichte „Die Kirschen“ von Wolfgang Borchert aus dem Jahre 1947 geht es um einen Vater und seinen fieberkranken Sohn, der im Bett auf seine Kirschen wartet, die seine Mutter für ihn bereitgestellt hat. Als der Vater ihm die Kirschen bringen will, fällt dieser hin und blutet an der Hand. Der Junge hält das Blut für den Kirschsaft, und verdächtigt den Vater in seinem Fieberwahn, sie gegessen zu haben.

Der Text ist gliederbar in drei Abschnitte:
In den ersten drei Zeilen werden aus personaler Erzählperspektive die Gedanken des Jungens, der nur mit dem Personalpronomen „er“ vorgestellt wird, geschildert. Dieser wartet sehnsüchtig auf die Kirschen, die „sie“,( warscheinlich die Mutter, die im Augenblick nicht anwesend ist), für ihn vors Fenster gestellt hat. Dies wird zweimal (Z.1 und 3) wiederholt, womit deutlich wird, wie dringend er die Früchte braucht. Da der Junge das Geräusch des klirrenden Glases hört, vermutet er, sein Vater habe ihm die Kirschen weggegessen. Um sicher zu gehen, „schiebt er sich die Wand entlang“ (Z.4), wobei das gewählte Verb seine Schwäche zum Ausdruck bringt. Hier schlägt die Perspektive in eine neutrale um, der zweite Abschnitt beginnt. Zum ersten Mal wird der Junge als „Kranker“ (Z.4) bezeichnet, was der Leser allerdings vorher schon erahnen konnte. Er sieht nun seinen Vater auf dem Boden sitzen, der „die ganze Hand voll Kirschsaft“ (Z.5) hat. Sofort bestätigt sich für den Jungen seine Vermutung, und durch die extreme Häufung und Wiederholung einiger Sätze wie „Alles voll Kirschen“, „Waren sie gut, ja?, „sie waren doch für mich“ wird seine Verzweiflung und Verwirrtheit besonders deutlich. Da der Junge sehr schwach ist, hält er sich am Türknauf fest, worauf dieser „quietscht “ (Z.12). Daraufhin wird der Vater auf seinen Sohn aufmerksam und fordert ihn auf, ins Bett zu gehen. Auffällig dabei ist, dass er ihn nicht mit seinem Vornamen anspricht, sondern „Junge“ (Z.13) zu ihm sagt, was auch zu dem tristen, distanzierten Gefühl beiträgt, das man beim Lesen bekommt. Außerdem stehen die kalten Kirschen antithetisch zu dem Fieber des Jungen, was ebenfalls deutlich macht, wie sehr er darauf angewiesen ist. Der dritte Abschnitt und damit der Schluss wird eingeleitet durch die plötzliche Auflösung des Konflikts, der gleichzeitig Wendepunkt der Geschichte ist, der Junge erkennt endlich, dass er sich getäuscht hat. Der Text endet mit der tiefen Scham des Jungen aufgrund seiner Vorurteile. Der Schlusssatz („Er hatte den Kopf tief unter die Decke gesteckt“) soll den Leser zum Nachdenken anregen.

„Die Kirschen ziehen sich als Leitmotiv durch den ganzen Text, dadurch hat man immer das Hauptthema und damit den Hauptgrund des Missverständnisses zwischen Vater und Sohn vor Augen. Durch einige Ellipsen in Form von wörtlicher Rede, wie der Satz „Alles voll Kirschen“(Z.31) bekommt die Kurzgeschichte eine reelle und somit auch eindringlichere Wirkung beim Leser. Die einfache Sprache und die kurzen Sätze bringen die Dramatik und Intensität des Textes noch stärker heraus, außerdem wird man nicht vom Wesentlichen abgelenkt. Trotz der wörtlichen Reden im Text findet keine wirkliche Kommunikation statt. Während der sich der Vater sehr fürsorglich und besorgt gegenüber seinem Sohn verhält, gibt sich dieser ihm gegenüber argwöhnisch und hört ihm nicht zu. Die beiden Figuren reden aneinander vorbei, keiner versteht, was der andere sagen will. Beide Charaktere sind sehr geschwächt, was man mit der Nachkriegszeit in Verbindung bringen kann („Der Kranke“, Vater kann nicht aufstehen) .
Ebenfalls lässt sich so die Wichtigkeit der Kirschen in der Geschichte erklären, da die roten Früchte zu dieser Zeit sehr kostbar und teuer waren.

Durch den anfänglichen inneren Monolog des Kranken wird der Leser außerdem zunächst dazu gedrängt, die Meinung des Jungen über den Vater und seine vermeintliche Tat zu teilen, da man alles nur aus einer Sicht sieht und die wahren Gründe erst nach und nach zum Vorschein kommen. Das führt zu einer Identifikation mit dem Jungen, wobei man seine Wut und Verzweiflung, die anschließende Erkenntnis und die Scham mit ihm teilt. Erst ab Zeile 31, als der Vater alles erklärt, erkennt der Leser, dass auch er sich hat täuschen lassen. Dies ist eine gewollte Inszenierung des Autors, die einen dazu bringen soll zu lernen, subjektive und objektive Wahrnehmungen zu unterscheiden.

Ich finde die Kurzgeschichte traurig, aber auch sehr beeindruckend. Durch bewusst eingesetzte sprachliche Mittel hat der Autor es geschafft, den Leser zu täuschen und ihn somit zum Nachdenken anzuregen. Dadurch, dass Wolfgang Borchert in der Kriegszeit gelebt und auch gekämpft hat, wirkt die Geschichte besonders eindringlich und echt. Vielleicht beschreibt er mit dem Kranken sogar sich selbst, da er die Geschichte vor seinem Tod im Krankenbett schrieb. Aus der Kurzgeschichte lernt man, dass man nicht zu vorschnell urteilen und sich immer auch die andere Seite anhören sollte.

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