Iphigenie auf Tauris Analyse und Interpretation 1.Aufzug 3. Auftritt



  • Titel: Iphigenie auf Tauris Analyse und Interpretation 1.Aufzug 3. Auftritt
  • Autor: anonym
  • Beschreibung: Erschließung der Dialogführung unter Berücksichtigung der dramaturgischen und sprachlichen Mittel; Charakterisierung der Protagonsiten.
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Erschließung der Dialogführung unter Berücksichtigung der dramaturgischen und sprachlichen Mittel; Charakterisierung der Protagonsiten. In einem vergleich mit anderem literaischen Werk zeigen, wie dort mit Konfrontation mit Macht umgegangen wird.

Übungsaufsatz LK Deutsch 04.11.2009

Szenenanalyse zum 1.Aufzug, 3.Auftritt aus Goethes Iphigenie auf Tauris
Gliederung

A. Iphigenie als Humanitätsideal im Konflikt mit Thoas

B. Analyse

1. Inhalt

1.1 Analyse anhand dramaturgischer Mittel
1.1.1 Iphigenie als Spannungsgeladene Person

1.2 Analyse anhand sprachlicher Gestaltungsmittel
1.2.1 Metrum und Reim
1.2.1.1 Blankvers
1.2.2 Stilmittel
1.2.2.1 Iphigenie
1.2.2.1.1 Enjambements
1.2.2.1.2 Inversionen
1.2.2.1.3 Metaphorik
1.2.2.1.4 Repetitio
1.2.2.2 Thoas
1.2.2.2.1 Tautologie
1.2.2.2.2 Enjambements

2. Charakterisierung der Protagonisten

2.1 Iphigenie
2.1.1 Unabhängigkeit von Göttern und Schicksal
2.1.2 Edle Einfalt, stille Größe
2.1.3 Emanzipation
2.1.4 Humanitätsideal
2.1.4.1 Ablehnung von Gewalt
2.1.4.2 Verlangen nach Ehrlichkeit und Wahrheit

2.2 Thoas
2.2.1 König von Tauris
2.2.2 Wunsch eines Sohnes als Thronfolger durch Iphigenie
2.2.3 Enttäuschung wegen Ablehnung des Antrages
2.2.4 Positiver Einfluss Iphigenies

3. Machtverhalten Iphigenies contra Maria Stuart

3.1 Gemeinsamkeiten
3.1.1 hohe moralische Haltung
3.1.2 Edle Einfalt, stille Größe
3.1.3 Charakterstärke und Festigkeit
3.1.4 Offenheit und Ehrlichkeit
3.1.5 Stolz ohne Eitelkeit

3.2 Unterschiede
3.2.1 Iphigenie als Humanitätsideal
3.2.2 Iphigenie als Göttlich

C. Werke der gleichen Epoche und befreundete Autoren als Ausgangspunkt für Gemeinsamkeiten

Das Drama der Klassik „Iphigenie auf Tauris“ von Johann Wolfgang von Goethe befasst sich mit dem Konflikt des Humanitätsideals Iphigenie, die sich nach ihrer Heimat Griechenland sehnt, aber durch ihre Moral und ihr Gewissen gezwungen ist, die Insel Tauris nicht zu verlassen. Beim Versuch die Königstochter zu opfern wurde sie durch die Göttin Diana gerettet und war fortan ihre Priesterin. In der zu bearbeitenden Szene des 1.Aufzuges, 3 Auftritt spricht Iphigenie mit dem um sie werbenden Thoas, der König der Taurier, der ihr einen Antrag macht. Die Gestaltung Goethes im dramaturgischen als auch sprachlichen Gebrauch sowie die Charakterzüge der zwei Protagonisten soll nun untersucht werden und ein Vergleich der Iphigenie mit Maria Stuart aus dem nach ihr benannten Drama Friedrich Schillers vorgenommen werden. Um dies deutlicher zu gestalten wird der Text in Sinnabschnitte unterteilt.

Zunächst wird der erste Abschnitt von Vers 1- 15 auf Dramaturgie analysiert.
In diesem Teil erzählt Iphigenie über ihre Vorgeschichte, die Thoas bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt war. Diese Rückblende vergegenwärtigt das Verhältnis zwischen Geschichte und Individuum. Dort wird beschrieben wie die Königstochter kurz vor ihrer Opferung durch ihren Vater von der Göttin Diana gerettet wird und somit nun unter ihrem Besitz steht.
Hier wird schon zu Beginn, wie auch in der gesamten Szene, mit Extremitäten und Polaritäten gearbeitet, die die Zuschauer ständig zum Nachdenken und Abwägen über die Sympathie oder Antipathie gegenüber den Personen anregen. Die Rückblende in die Geschichte ist typisch für die Klassik und es beginnt sich durch dieses Gestaltungsmittel ein Spannungsbogen zu entwickeln. Durch die Tatsache, dass durch die Geschichte Iphigenie an Diana gebunden ist und Ängste gegenüber der Familie hat, baut sich die Handlung und der folgende Dialog zwischen Thoas und der Königstochter auf. Der Abschnitt ist eine informative Passage und man kann erkennen, dass die Göttin Diana eine hohe Machtposition im Stück hat, der sich Iphigenie bewusst ist.
Im 2.Sinnabschnitt von Vers 16- 30 entfacht eine Diskussion und Thoas macht Iphigenie einen Heiratsantrag, denn er versucht die Geschichte nicht weiter zu beachten und stellt sie auf dieselbe Stufe wie ein Normalbürgerlicher. Ab diesem Punkt ist die Protagonistin im Zwiespalt mit sich selbst und es folgt eine argumentative Passage in der Form eines Dialoges. Sie wägt die Positionen über ihrer Pflicht gegenüber Diana und ihrer Angst vor dem Vater mit der gegenüberstehenden Sehnsucht nach ihrer Heimat und der Tatsache dass sie kein Zeichen zum Bleiben erhalten hatte, um welches sie bat, ab. Dieser Konflikt der Gefühle baut die Spannung weiter auf.
Im folgenden 3.Sinnabschnitt von Vers 30 – 60 wird durch Verschieben der Situationsmacht versucht, ein Gleichgewicht zwischen Gefühlen und Verstand aufzubauen, über welches diskutiert wird. Es wird dadurch dem Zuschauer möglich gemacht eine ästhetische Distanz gegenüber den Personen und den Geschehnissen aufzubauen. In der immer noch argumentativen Passage versucht Thoas die Iphigenie vom Gegenteil zu überzeugen und sie zum Bleiben zu bewegen. Er versucht sie dadurch zu überzeugen, dass er ihr jetziges Bleiben als das Zeichen Dianas deutet. Als Gegenpol steht Iphigenie, die nun nicht durch Verstand sondern mit ihrem Herzen und ihren Gefühlen handelt und von ihrem Griechenland und dem Wunsch eines besseren Lebens schwärmt. Daraufhin ist Thoas genauso gefühlsbetont, macht Iphigenie aber kontrovers Vorwürfe für ihr Handeln ohne jegliche Vernunft. Dabei spricht er allgemeingültig von Frauen und ihrem Hang auf ihr Herz zu hören und drückt indirekt seine Verzweiflung über sein Missverstehen der weiblichen Welt aus. Um dies deutlicher zu machen arbeitet Goethe nun mit der dritten Person und es wird nicht mehr direkt zu dem Gesprächspartner geredet. Iphigenie macht ihm indirekt den Vorwurf, dass er ihr Vertrauen gegenüber ihm missbraucht habe. In diesem Teil verschiebt sich die Situationsmacht von Iphigenie zu Thoas und zurück. Im Weiteren wird jedoch klar, dass Iphigenie die Oberhand hat, da Thoas schlussendlich seinen Willen nicht bekommen wird. Man kann einen Stimmungsumschwung vom Sachlichen zum Emotionalen erkennen.
Es folgt der Sinnabschnitt von Vers 61 – 77. In diesem Part greift Thoas das Geschlecht der Iphigenie an. Die Handlung kreist in einer federnden Balance kontroverser Argumentationskräfte. Iphigenie setzt Mann und Frau zunächst auf dieselbe Stufe, erhöht dann schließlich die Frau, denn sie kennt den Mann besser als er sich selbst. Gleichzeitig verletzt Iphigenie den König, als sie ihre Freude über den nicht eingegangenen Bund der Ehe zum Ausdruck bringt und den Göttern als Verhinderungsgewalt dankt.
Von Vers 78 – 86 stellt Iphigenie, die die Situationsmacht trägt, trotz Einspruch Thoas klar, dass die Götter ihr Handeln entscheiden, Thoas sie jedoch aus fehlendem Feingefühl und Hochmut nicht vernehmen kann.
Der 5. Sinnabschnitt der nun bis zum Ende geht, führt zu einer Katastrophe in der Szene. Die überraschende Wendung Thoas der Iphigenie Recht zu geben, jedoch das wegen ihr abgeschaffte Opfern der Neuankömmlinge auf der Insel zur Strafe wieder aufzunehmen, zeigt dass die Gefühle bei Thoas über die Vernunft erhaben sind und Iphigenie trotz emotionalem Umbruch noch aus dem Verstand heraus handeln kann. Die Spannung wird aufgelöst.

Die Szene wird durch viele sprachliche Gestaltungsmittel unterstützt. Zunächst ist der Blankvers anzumerken. Dieser 5 – hebige Jambus erlaubt viel Freiheit und eine natürliche Sprache, hat aber trotzdem Rhythmus, welches das Austarieren der Pole, Iphigenie und Thoas, unbewusst möglich macht.. Er kämpft mit dem Doppelsinn der Worte und erzeugt eine glühende Intellektualität durch das Hin und Her der Argumente. Goethe schreibt auf einer hohen Stilebene mit gebundener Sprache und gestaltet sie artifiziell sowie mit zahlreichen Stilfiguren. Diese sind auf Iphigenie und Thoas einzeln aufzuteilen.
Iphigenie verwendet Inversionen wie in Vers 2/3: „ …in Aulis harrten sie auf günstgen Wind vergebens“. Durch das nachgestellte Adjektiv wird die Spannung geladen. Dieses Mittel zieht sich durch die gesamte Szene hindurch sowie ebenfalls Enjambements, die den Text flüssiger erscheinen lassen.
Eine ausdrucksstarke Metapher findet sich als Iphigenie die Rettung durch Diana mithilfe einer „Wolke“ (V.11) beschreibt. Durch sie wird die große Macht der Göttin dargestellt, denn sie ist so mächtig eine Wolke zu erschaffen, eine Schutzhülle, die Königstochter umschließend. Des Weiteren verwendet sie ein Homoioteleuton in Vers 69: „Du wähnest unbekannt mit dir und mir“ und ein Repetitio als sie Thoas beschreibt, wie er „Voll guten Mutes wie voll guten Willens…“ (V.71) die Heirat erreichen wollte. Dadurch wird die Zusammengehörigkeit der Beiden verdeutlicht und dann als extremer Gegenpol von Iphigenie zerstört.

Nun soll Thoas auf Sprachgestaltung untersucht werden. Er wechselt im 3.Sinnabschnitt von der direkten Anrede in die Allgemeinform und unterstützt durch Tautologie in Vers 48 – 50: „Sei ganz ein Weib und gib dich hin dem Triebe der dich zügellos ergreift und dahin oder dorthin reißt“ seine Wut gegenüber Iphigenie und dem weiblichen Geschlecht. Auch möchte er den Unterschied vom Handeln der Götter und dem Menschen durch eine Anapher verdeutlichen: „Es spricht kein Gott, es spricht dein eignes Herz“ (V. 76). Genauso wie Iphigenie und zum selben Zweck verwendet er Enjambements.

Des Weiteren folgt eine Charakterisierung der beiden Protagonisten beginnend mit Iphigenie.
Diese ist unabhängig von Gottheiten geschweige denn ihrem Schicksal. Sie entscheidet selbst und ohne Einfluss Anderer. Jedoch sieht sie die Götter als Stütze ihres Willens: „Und hier dank ich den Göttern dass sie mir die Festigkeit gegeben dieses Bündnis nicht einzugehen das sie nicht gebilligt.“ (V.73-75) In diesem Vers dankt sie nur für die Standhaftigkeit ihrer Gefühle und betont dadurch ihre eigene Entscheidung, die zufällig auch von den Göttern als richtig empfunden wurde. Außerdem verkörpert Iphigenie das Ideal der Klassik: die edle Einfalt und stille Größe. Man erkennt sie als große und gesetzte Seele und selbst wenn sie noch so wütend ist und provoziert wird, bleibt sie innerlich ganz ruhig und edel. Trotz der 9schwachen Stellung der Frau zu dieser Zeit ist Iphigenie emanzipiert und weiß ihr Geschlecht zu verteidigen zum Beispiel als Thoas sie in Vers 53 in ihrer Weiblichkeit verletzt und sie in Vers 65 - 68 erwidert: „Nicht herrlich sind die Waffen eines Weibes. Glaub es, darin bin ich dir vorzuziehn dass ich dein Glück mehr als du selbst kenne.“ Diese Eigenschaft öffnet ihr die Tür der Durchsetzung ihres Willens, sogar gegenüber dem eigentlich stärkeren Geschlecht.
Als Hauptmerkmal in Goethes Drama sollte die Verkörperung des Humanitätsideals genannt werden. Diese Aufgabe wird Iphigenie zuteil. Sie lehnt die Gewalt vollständig ab und sucht Ehrlichkeit und Wahrheit in großem Maße. Dies wird aus der Vorgeschichte der Szene ersichtlich, als Thoas ihretwegen den Brauch der Opferung von Neuankömmlingen abschafft. Des Weiteren ist ihre Ehrlichkeit in Vers 21 erkennbar als sie fragt, ob „nicht die Göttin, die [sie] rettete allein das Recht auf [ihr] geweihtes Leben [hat]“
Nun wird ein Bild des Thoas erstellt. Er, als König von Tauris, wünscht sich zutiefst einen Thronfolger und erhofft sich ihn mit Iphigenie zu zeugen. Er sieht eine innere Verbundenheit zwischen den Beiden und glaubt an eine Hochzeit in naher Zukunft. Deswegen macht er ihr in dieser Szene einen Antrag in Vers 19, was er scheinbar vorher schon einmal versucht hatte, indem er sie auffordert: „Komm, folge mir und teile was ich habe.“ Iphigenie enttäuscht seine Hoffnung und lehnt ihn ab. Trotz der Kränkung ihrerseits kann Thoas jedoch von Iphigenies Humanität lernen und gewinnt an Charakterstärke durch ihren positiven Einfluss.
Nach ausführlicher Betrachtung der beiden Hauptpersonen soll nun ein Vergleich mit dem Werke Schillers „Maria Stuart“ unternommen werden und die Person der Maria Stuart mit Iphigenie verglichen werden.
Zunächst werden die Gemeinsamkeiten analysiert und bewertet.
Die zu untersuchenden Personen haben beide eine hohe moralische Haltung. Sie lehnen Gewalt ebenso ab wie Missgünste und Missverstrauen. Iphigenie bereut ihr Vertrauen gegenüber Thoas, da er es ausnutzt. Maria möchte ihretwegen keinen Angriff durch ihre Verbündeten auf Fortharington, da zu viele Menschen für sie in Gefahr wären und zu viele nur für ihr Leben sterben würden. Weiterhin ist festzustellen, dass auch durch Stuart die Edle Einfalt und stille Größe repräsentiert wird. Ihre innere Festigkeit bei der Bekanntgabe des Todesurteils und ihre Gefasstheit bei der Vollstreckung sind nur zwei Beispiele dafür.
Iphigenie und Maria bleiben ihrem Charakter das ganze Stück hindurch treu und halten an ihren Prinzipien und Ansichten fest, welche unter anderem Offenheit und Ehrlichkeit wären. Maria öffnet sich und ist ehrlich, als sie über die Vergangenheit spricht, in der sie ihren Mann ermorden ließ. Beide Protagonisten zeigen zwar Stolz, sind jedoch nicht eitel, verhalten sich stets edel und aufrichtig. Beide sind von Königsgeschlecht geborene und mächtige Frauen, die Emanzipation und Gleichberechtigung fordern und erreichen.
Jedoch sind auch Unterschiede der Charaktäre festzustellen, wenn auch die Gemeinsamkeiten in ihrer Masse überwiegen.
Maria Stuart ist nicht das Humanitätsideal, welches Iphigenie prägt. Sie ließ ihren Mann ermorden und durch ihre Vorgeschichte als Anpruch auf den Thron Englands erhebende und Intrigenschmiedende zerstören die Vorstellung der Humanität voll und ganz. Außerdem kann Stuart nicht wie Iphigenie als Göttlich betrachtet werden. Die zweit genannte ist durch ihre Herkunft und ihre Arbeit als Priesterin der Diana den Gottheiten sehr nahe gekommen und wird von Thoas als Göttlich betrachtet.

Zum Ende der Analyse sollte klargestellt werden, warum all die Gemeinsamkeiten der Protagonisten existieren und wie sie zu Stande kamen. Als Ausgangspunkt sollte man die Autoren Goethe und Schiller genauer unter die Lupe nehme. Sie waren eng befreundet, tauschten sich über ihre Werke während der Bearbeitung aus und beeinflussten sich gegenseitig. Als Schlusspunkt ist dieselbe Epoche der Klassik anzuführen und die Prinzipien, die von beide Autoren verfolgt wurden. Im Grunde genommen kein Wunder, dass Maria Stuart und Iphigenie so viele Überschneidungen in Ansichten haben.

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